Kultur

Schauspiel Annelies Vanlaere arbeitet als Kostümbildnerin bei den Nibelungen-Festspielen / Sie stattet die Hauptinszenierung „Überwältigung“ aus

Die Frau, die Kriemhilds neue Kleider näht

Archivartikel

Für die bevorstehenden Nibelungen-Festspiele in Worms klingt es fast wie ein Arbeitsauftrag. „Die allerbesten Kleider, die man jemals fand, trägt man zu allen Zeiten in der Brunhilde Land“, heißt es in einer Version des Nibelungenliedes von 1815. Schon immer waren die Kostüme der Burgherrin Brunhilde, der Königstochter Kriemhild und des Drachentöters Siegfried ein wichtiges Thema. In Worms kümmert sich in diesen Tagen Annelies Vanlaere darum, dass das Ensemble um Schauspieler Klaus Maria Brandauer bei den Festspielen ab dem 12. Juli die „allerbesten Kleider“ trägt. „Ich sammele erst alles, was ich mit den Figuren assoziiere und für mich interessant ist“, sagt die 42-jährige Kostümbildnerin. „Das ist dann erst einmal ein sehr großer Topf.“ Das diesjährige Stück „Überwältigung“ ist für Vanlaere die sechste Arbeit mit Regisseurin Lilja Rupprecht, mit der sie unter anderem bereits in München und Berlin gewirkt hat. „Auch die Nibelungen habe ich schon einmal gemacht“, sagt die im belgischen Tielt geborene Künstlerin.

Vanlaere hat Plastische Kunst in Brügge und Kostümbild in Antwerpen studiert. Von 2003 bis 2006 war sie feste Kostümassistentin am Thalia Theater Hamburg, seit 2006 arbeitet sie freiberuflich. Für „Überwältigung“ aus der Feder von Thomas Melle schaut sie sich alle Ideen zunächst mit Regisseurin Rupprecht und Bühnenbildnerin Anne Ehrlich an.

Schauspieler reden mit

„Wir sortieren dann ein wenig“, erzählt Vanlaere. Die Kostümbildnerin setzt unter anderem auf Männerhelme mit Federn wie von Paradepferden.

Schauspielerinnen und Schauspieler reden ein gehöriges Wort mit. „Man spricht über die Kostüme, und natürlich gibt es das immer wieder, dass jemand Vorbehalte oder Fragen hat“, schildert Vanlaere. Jeder lese den Stoff und die jeweilige Figur auf seine Art. „Da braucht man Zeit, sich über die Wahrnehmungen auszutauschen“, sagt die Kostümbildnerin. „Und dann hofft man, dass man zusammenkommt.“ Sich immer wieder gemeinsam mit einem Stück auseinanderzusetzen, sei eine große Herausforderung. „Das ist auch das Spannendste an meinem Job.“