Kultur

Würzburger Dommusik In Leidensgeschichte hineingefühlt

Die hohen Ansprüche erfüllt

Die Passionszeit bietet Komponisten Inspirationen, in die Tiefen der Seele einzutauchen und sensible Empfindungen in Noten festzuhalten. Die Würzburger Dommusik nutzte dazu eine erhebende Gelegenheit, sich in die Leidensgeschichte Christi hineinzufühlen.

Eingeleitet wurde das Konzert im voll besetzten Kiliansdom mit Peteris Vasks „Musica dolorosa“, an die sich das „Pater noster“ des lettischen Komponisten anschloss. Das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau kostete unter Domkapellmeister Christian Schmid diese nur mit Streichern besetzte Musik mit gelegentlich kräftigeren Ausbrüchen in höheren Lagen meditativ aus, und bewies hinreichend seine Qualitäten in tonlicher Sorgfalt und feinnervigem Zusammenspiel.

In einem ganz anderen Stil bewegt sich das „Pater noster“, das sich offenbar große A-cappella-Musik der Renaissance und der Romantik beispielsweise Bruckners zum Vorbild genommen hatte. Hier kamen erstmals der stattliche Würzburger Domchor, die Mädchenkantorei und die Herrenstimmen der Würzburger Domsingknaben voll zur Geltung, homogen im Zusammenklang, leuchtend in den oberen Stimmlagen und abgerundet profund in der Bassregion.

Bei Antonio Rosettis Komposition „Jesus in Gethsemane“, die stilistisch in die Nähe von Haydn und Mozart gestellt wird, ist das Streichorchester mit Bläsern gefüllt. Als junger Mann trat der Komponist in die Dienste des Fürsten von Öttingen-Wallerstein, dessen Werke weit über das schwäbische Ries hinaus zu beachtlichem Ruhm gelangt waren. So berichtete seinerzeit angesichts der Wichtigkeit jener Musik Rosettis das Berliner „Musikalische Wochenblatt“: „Am 2. März 1792 war auf dem Königl.Schlosse das Oratorium Jesus in Gethsemane von Rosetti aufgeführt, zu dessen Anhörung Se.Majestät alle Geistlichen von Berlin einladen zu lassen, die Gnade hatten.“

Farbiger Orchesterklang und figurenreiche Arien ergänzen sich zu einem prachtvollen Bild religiöser Betrachtungen, denen die Aufführung zurecht großer Erfolg beschieden war. Im Konzert bewunderte man die strahlende Stimme der Anja Tschamler, Sopran, die mit warmem Ausdruck singende Seda Amir-Karayan, Alt, den nicht minder mitteilsam gestaltenden Bernhard Gärtner, Tenor, und den bedeutend tönenden Bassisten Thomas Trolldenier.

Allesamt passten sie stilistisch gut zueinander, hatten doch deren künstlerische Stationen in vielen Gattungsbereichen der Musik diverser Epochen bereits vorzüglichen Ruhm eingehandelt. Insbesondere die geistlichen Werke Rosettis zeigen den Komponisten auf dem Höhepunkt seines Könnens. Die Wiedergabe dieses Oratoriums im Kiliansdom erfüllte hohe Ansprüche, hatte doch der Domkapellmeister den melodischen Einfallsreichtum dieser Musik wirkungsvoll unterstrichen und die differenzierte Harmonik und die virtuose Beherrschung der kniffligen technischen Stellen sicher herausgearbeitet. Der starke Beifall belohnte eine in allen Maßen gediegene Ausführung.