Kultur

Klassik Sophia Proietti eröffnet 32. Heidelberger Klavierwoche

Die Kunst der Verwandlung

Archivartikel

Merkwürdig, wie völlig unterschiedlich ein Klavierabend auf einen wirken kann. Die junge italienische Pianistin Sofia Proietti, die auf Einladung der Jahrhundertwende-Gesellschaft die 32. Heidelberger Klavierwoche im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) eröffnete, schien im ersten Teil ihres Recitals deutlich befangen, als sie Bachs Präludium und Fuge Cis-Dur (Wohltemperiertes Klavier, Teil 1) wie eine eher belanglose Spielmusik vorstellte. Auch die (allzu) bekannte c-Moll-Sonate von Mozart (KV 457) ließ eigenwertigen interpretatorischen Zugang vermissen. Die beiden Rhapsodien (op. 79) von Johannes Brahms hätten möglicherweise noch mehr an emotionaler Zuwendung vertragen können, die Pianistin ging sie eher zurückhaltend an, als ob sie noch ihrer Pianistik misstraute.

Farben, Nuancen und Sinnlichkeit

Dabei verfügt sie über ein sehr gutes manuelles Rüstzeug. Wie verwandelt, ja befreit handhabte Sofia Proietti nach der Pause den Flügel. Plötzlich atmete ihr Bachspiel (Präludium und Fuge Fis-Dur, erster Teil Wohltemperiertes Klavier) einen intimen und emotional fein austarierten Zugang. Auch die Auswahl von sechs Préludes von Alexander Skrjabin (aus op. 11), jenem Jahrhundertwende-Esoteriker, überzeugte in der Variabilität der mit viel Geschmack aufgelisteten Stimmungslagen dieser noch ein wenig an Chopins Préludes orientierten Stücke. Wirklich attraktiv gestaltete sie dann „L’Isle Joyeuse“ von Claude Debussy, um energisch den ekstatischen Taumel auszukosten. „Mein Gott, wie schwer ist das Stück zu spielen“, meinte Debussy selbst. Doch bei Sofia Proietti war nichts von Beschwernis zu hören, sondern Farben, Nuancen, Sinnlichkeit.

Und noch ein pianistischer Brocken: Die „Fantasia quasi Sonata“ von Franz Liszt, deren Eingebung nach einer Dante-Lektüre entstand. Mutig und offensiv ging die Pianistin diesen musikalischen Höllenritt an und kostete die virtuose Raffinesse lustvoll aus. Dass es bei Liszt gerne auch mal qualmt, nahm sie als Herausforderung an.

Herzlicher Beifall, Blumen und eine Chopin-Etüde als Zugabe.

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