Kultur

Jazz Alberto Menendez und Dietmar Fuhr im Hafen 49

Die Kunst des Duos

Archivartikel

Mediterranes Flair mitten in Mannheim: Statt der üblichen Sitzgelegenheiten Liegestühle, adrett paarweise angeordnet in Corona-bedingten Abständen zum nächsten Stuhlpaar, und auf dem Boden knöcheltief Sand wie an einem Badestrand am Mittelmeer. Mit so viel Wasser kann Mannheim nicht dienen, aber Rhein und Neckar sind nahe, wenn auch nicht sichtbar; dafür spürbar, wenn nach Einbrechen der Dunkelheit eine kühle Brise herüberweht von den zwei Flüssen und den Hafenbecken des Rheins.

Am Ende der Hafenstraße im Jungbusch ist die kleine Idylle liebevoll eingerichtet, unter freiem Himmel natürlich. Und hier gibt’s, mit Unterstützung des Kulturamts der Stadt, in diesem Spätsommer einmal in der Woche Jazz. Ausschließlich im Duo gespielt, in der kleinstmöglichen Gruppenbesetzung also, was die Gagen niedrig hält. Andererseits ist das Musizieren zu zweit eins der reizvollsten Formate im Jazz, weil es den beteiligten Musikern ein Höchstmaß an Geistesgegenwart und gegenseitiger Reaktionsbereitschaft abverlangt.

Knisternde Spannung

Zumal dann, wenn kein Schlagzeug den Rhythmus hält und kein Pianist die Harmonien eines Stücks markiert. Um so höher einzuschätzen die Leistung von Tenorsaxofonist Alberto Menendez und Kontrabassist Dietmar Fuhr, die an diesem Abend auf der Open-Air-Bühne des Hafens 49 stehen. Beide sind Eckpfeiler der regionalen Szene: Menendez war einer der ersten Absolventen des Jazz-Studiengangs an der Mannheimer Musikhochschule, Fuhr hat sich vor einigen Jahren der Liebe wegen in der Metropolregion angesiedelt.

Für den Auftritt ausgewählt haben die Zwei eine Mischung bekannter Jazz-Standards und Bossa-Nova-Themen aus der Feder von Antonio Carlos Jobim. Bruchstücke dieser Melodien tauchen immer wieder auf in den Improvisationen darüber; vielfach abgewandelt und neu zusammengesetzt, um große und ganz eigene melodische Bögen daraus zu formen. Dabei herrscht knisternde Spannung wie bei einer Uraufführung. Genau darum handelt es sich auch, denn die beiden sind nie zuvor als Duo aufgetreten und haben nicht einmal vorher geprobt. Trotzdem in solcher Vollendung agieren zu können, ist wohl nur im Jazz möglich.

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