Kultur

Reisebericht Wie der 18-jährige Friedrich Hölderlin über das Nationaltheater, die Mannheimer „Jesuiterkirche“ und die Quadrate schreibt

Die Lobeshymne des Schwaben auf die Kurpfalz

Archivartikel

Er ist Schwabe, entstammt einer württembergischen Beamtenfamilie, wird durch und durch pietistisch geprägt – und dann das: Von Friedrich Hölderlin sind geradezu überschwängliche Lobeshymnen auf Mannheim überliefert.

Am Montag, 2. Juni 1788 tritt er seine Reise in die Kurpfalz an. 18 Jahre jung ist er da, und er will raus – raus aus der Enge des Klosters Maulbronn. Dort ist er, mit einem Stipendium des Herzogs Carl Eugen von Württemberg, Schüler – und wem solch eine Gunst des streng evangelischen Landesvaters zuteilgeworden ist, muss danach eigentlich Lehrer oder Pfarrer werden. Entsprechend strikt ist der Alltag im Kloster geregelt, mit spartanischer Unterbringung, klösterlicher Enge. Von Kälte und Hunger ist in Briefen an die Mutter die Rede.

Die gestattet ihm eine erste Auslandsreise – und die Kurpfalz ist ja für einen Württemberger Ausland. Zu Pferd reitet er los, via Bruchsal nach Rheinhausen und über den Rhein zu Verwandten nach Speyer. „Ein Strom, der dreimal breiter ist als der Neckar, wo er am breitesten ist“, wie der junge Schwabe staunt.

Ganz wohlerzogener Klosterschüler, schreibt er nämlich alle Erlebnisse seiner Mutter – und diese Briefe sind überliefert. Von Speyer geht es über Schwetzingen nach Heidelberg und den „herrlichen Weg am Neckar hinab“ nach Mannheim.

Genau abgerechnet

Kaum in der Quadratestadt angekommen, besucht Hölderlin das Schauspiel. „Schöner, gebildeter, vollkommener kann man sich nichts denken als das Mannheimer Nationaltheater“, schwärmt er. Dann zählt er auf, was ihm noch auffällt an der Stadt. „Das Zeughaus, wo Canonenkugeln wie Steinhaufen aufgebeugt sind, wo ich zum ersten Mal Granaten, Bomben, Kanonen sah“, schildert er und bezeichnet die „Jesuiterkirche“ als „das prächtigste Gebäude, das ich auf meiner Reise fand“. Mannheim sei „beinahe zweimal größer als Stuttgard“, das Schloss sehe man „aus den meisten Gassen, die Gassen sind ganz gerade, alles ist eben“. „Die Gebäude mache jedes Mal ein großes Viereck“, beschreibt er die Quadrate und bezeichnet das Alte Kaufhaus als „so groß, dass mich ein Gang herum beinah eine halbe Viertelstunde kostete“, so Hölderlin. „Überall fand ich Palläste, die mich mit Staunen erfüllten“, teilt er der Mutter mit und bedauert: „Ich trennte mich ungern von einem Ort, in welchem ich noch so viel merkwürdiges sehen, noch so manchen neuen Begriff mir hätte erwerben können“.

Hölderlin beschreibt dann noch die kurfürstlichen Schiffe und die „schönsten Alleen nach Okkersheim“, wo Hölderlin das Gasthaus besucht, wo auch Schiller abgestiegen ist. Gehorsam dankt er der „liebsten Mamma“ für das „gemachte Vergnügen“ der Reise und rechnet, ganz Schwabe, auf den Kreuzer genau seine Ausgaben ab.

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