Kultur

Nachruf Mannheimer Kammersängerin Eva-Maria Molnár im Alter von 93 Jahren verstorben / Zahlreiche Gastspiele im Ausland

Die Primadonna der „goldenen Opernjahre“

Diese Zeitung hat Eva-Maria Molnár, der „Primadonna assoluta“ der großen Mannheimer Opernzeit der 1960er und 70er Jahre, noch treulich zum 80. und 90. Geburtstag gratuliert. Nun ist die Kammersängerin, die zuletzt bei ihrem Sohn in Viernheim wohnte, im Alter von 93 gestorben. Die gebürtige Ungarin debütierte 1961 am Nationaltheater als wunderbare Pamina in Mozarts „Zauberflöte“ und festigte ihren Ruhm zunächst mit koloraturenreichen Mozart-Partien und mit einer legendären „Daphne“ in der selten gespielten Oper von Richard Strauss. In jener Zeit mit dem sprichwörtlich riesigen Spielplan von rund 60 Opern, zur Zeit der Generalmusikdirektoren Horst Stein und Hans Wallat also, erschloss sich der Sängerin auch die Wunderwelt des italienischen und des slawischen Fachs.

Stets authentisch

Über Fachgrenzen machte man sich damals kaum Gedanken – ein Sopran war ein Sopran, ein Tenor halt ein Tenor. Und so feierte das Mannheimer Traumpaar Eva-Maria Molnár/Jean Cox Triumphe gleichermaßen in Verdi- und Puccini-Opern wie in Richard Wagners Musikdramen. Ja, „die Molnár“, wie alle Welt sie nannte, war als Eva, Elsa, Senta ebenso authentisch wie als Leonora, Butterfly, Mimi oder als Tatjana, Jenufa, Marie. Und wer hätte die als ungarische Gräfin getarnte Rosalinde in der „Fledermaus“ schöner geradebrecht als sie?

Nun ja, Viel-Sänger(innen) gab es immer und wird es immer geben. Doch in dem „Wie“ (sagt die lebenskluge Marschallin im „Rosenkavalier“), da liegt der ganze Unterschied. Eva-Maria Molnár war stets eine Sängerdarstellerin, die ihre Rollen lebte. Sie kämpfte um ihre Ehre und ihre Liebe, sie liebte und sie litt, sie schritt unbeugsam zum Suizid und aufs Schafott. Natürlich gastierte sie auch im In- und Ausland, viel in Frankreich. Man machte damals kaum Aufhebens um lukrative Gastspiele; die Treue zum eigenen Haus hatte einen hohen Stellenwert.

Eva-Maria Molnár sagte 1980 der Bühne Adieu, als sie noch im Vollbesitz ihrer stimmlichen Mittel war. Zum Kammersängerinnen-Titel kam die Professorinnen-Würde, als sie an der Mannheimer Musikhochschule noch zwei Jahrzehnte lang Erkenntnisse und Geheimnisse ihrer Kunst an die nächste Generation weitergab. Ihre Studentinnen und Studenten singen bis heute an bedeutenden Bühnen im In- und Ausland.

Die Trauerfeier für Eva-Maria Molnár wird im engsten Familienkreis stattfinden. Auch wenn sie ihr nicht die letzte Ehre erweisen können, werden die Mannheimer Opernfreunde „die Molnár“ in ehrender Erinnerung bewahren.