Kultur

Pop Kat Frankie und Band in Heidelberger Halle 02

Die Schönheit des Abgrunds

Archivartikel

„Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“: Man muss unwillkürlich an Nietzsches mahnende Worte denken, als Kat Frankie mit den schwarzgefiederten Indie-Pop-Titeln „The Wild One“, „Everything Everything“ und „The Saint“ ihr Konzert in der Heidelberger Halle 02 beginnt. Die Musik der australischen Sängerin und Songschreiberin öffnet Abgründe – aber diese Abgründe blicken einen aus schönen, traurigen und tiefen Augen an. Und in ihrer starken Stimme sind Melancholie und Trost, Asche und Glut gleichermaßen beheimatet.

Stationen der bewegten Karriere

Seit rund 15 Jahren lebt Kat Frankie in Berlin und hat sich in dieser Zeit als künstlerisch überaus umtriebig erwiesen – ein paar Stationen: Sie spielte in der Begleitband von Olli Schulz Gitarre, arbeitete mit Clueso zusammen, komponierte mit Konstantin Groppers Get Well Soon die Titelmelodie für die Talkshow „Schulz und Böhmermann“ und trat 2016 im Duo Keøma beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest an. In eigener Sache hat sie vier Alben eingespielt, zuletzt „Bad Behaviour“, das auch der aktuellen Tour den Namen gibt, auf der Frankie von einer vierköpfigen (wie sie selbst komplett in Rot gekleideten und sehr talentierten) Band begleitet wird. Freilich ist in ihrem Klangkosmos (durch den immer wieder ein kräftiger Referenzhauch von Kollegin PJ Harvey weht) nicht alles von Finsternis umfangen.

Es gibt vielmehr Anleihen an 80er-Pop („Du/Ich“), an Electro („Healer“) und Gospel („Please Don’t Give Me What I Want“) nebst geradezu ausgelassenen Stücken wie „Bad Behaviour“ und „Home“. Neben der wunderbaren Sperrstunden-Bar-Ballade „Casual Advice“ markiert das dramatisch trudelnde „Blameless“ einen der Glanzpunkte des durchaus gut besuchten Konzerts. Zu „Ophelia“ und „Headed For The Reaper“ bittet Frankie zudem die Berliner Sängerin und Multiinstrumentalistin Catt mit ihrer Trompete auf die Bühne, die eingangs mit sensiblem Pop und Indiefolk das Vorprogramm bestritten hat. mav