Kultur

Alte Wollfabrik Fusion- Jazz- und Funky Musik vom Feinsten

Die Stanley Clarke Band gastiert in der Schwetzinger Alten Wollfabrik

Archivartikel

Nicht selten ist es mehr Nostalgie als die Faszination vom Jetzt, die ein Fan mit seinem Idol verbindet. Nicht so bei dem Musiker, der eine ganze Generation mit seiner Virtuosität und seiner Stilistik beeinflusste. Der Bassist Stanley Clarke, ist so jemand. Mittlerweile auch schon 68 Jahre alt, ist der Mann nun wieder auf Europatournee und -wer hätte das gedacht- beeindruckt noch immer mit den gleichen Tugenden wie einst in den Siebzigern. Sehr melodiöses Bassspiel, sowohl auf dem Kontra- als auch auf dem E-Bass, gepaart mit rhythmischer Präzision und einem hohen Maß an kompositorischem Gespür, das sind seine Markenzeichen.

Schwetzingen.In der Schwetzinger Alten Wollfabrik hat man anfangs noch technische Probleme, die eine Wiederholung des Konzertbeginns erfordern. Doch mit der Zeit werden die Widrigkeiten, die eigentlich bereits im Soundcheck beseitigt werden sollten, gemildert, auch wenn nie ein wirklich transparenter Sound erreicht wird.

Zwei-Generationen-Band

Wie ein jung gebliebener Großvater wirkt Clarke auf der Bühne. Eindeutig der Chef im Ring, animiert er stets seine jungen Kollegen und überrascht dabei doch noch immer mit seiner eigenen Spielfreude und -technik. Als kämen seine jungen Kollegen, bestens geschult und spielhungrig, direkt vom Konservatorium, legen sie sich ins Zeug, als gäbe es kein Morgen. Allen voran der aus den New Yorker Bronx stammende Drummer Shariq Tucker, dessen extremes und präzises Hochgeschwindigkeitsspiel jeden Rhythmusfan beeindruckt. Aber auch der junge Detroiter Geiger Evan Garr streicht sich schier die Seele aus dem Leib und glänzt besonders mit seinen Soli und im Wechselspiel mit den beiden Tastenkünstlern, deren Spiel unterschiedlicher kaum sein kann. Da ist der aus Georgien stammende Virtuose Beka Gochiashvili, dessen ausdrucksvolles Tastenspiel auf dem akustischen Flügel am intensivsten wirkt. Aber auch der Kalifornier Cameron Graves an den elektronischen Keyboards, der nicht nur mit kreativen Sounds packende Melodielinien spielt, sondern auch die Rolle des Bassisten immer dann übernimmt, wenn Meister Clarke in seine ausgedehnten Improvisationen einsteigt.

Einen besonderen rhythmischen Leckerbissen bietet aber auch der gebürtige Hamburger und Wahl-Kalifornier, Tablameister Salar Nader. Leider etwas zu leise verstärkt, in seinen Soli jedoch umso beeindruckender fügt Nader jene asiatischen Klangkomponenten in die Musik des Sextetts ein, die Clarkes Musik wieder neu erscheinen lassen. Überhaupt ist es die Klangvielfalt, die ihr Programm in Schwetzingen auszeichnet. Neben der individuellen Klasse der Musiker beeindruckt aber auch die spielerische Kommunikation innerhalb der Band. Aus dem riesigen Oeuvre von Clarke, fallen neben alten Stücken aus der Produktion "School Days" auch die Joe Henderson Komposition "Black Narcissus" auf, die die Band in Schwetzingen regelrecht zelebriert. Stanley Clarke ist nicht alt, sondern reif. Ein echter Ohrenschmaus.