Kultur

Pop Neue CD erinnert an das Duo Schrammel & Slide

Die Welt als globales Dorf

Bitte anschnallen! Das ist die dringende Empfehlung für jeden Zuhörer von Schrammel & Slide. Denn in der Musik dieses Gitarrenduos geht es munter drüber und drunter. Sie gleicht einer haarsträubenden Achterbahnfahrt durch alle nur erdenklichen Stilgefilde. Gemütvolle Wiener Heurigen-Stimmung vermischt sich da mit hitzigen Blues-Beschwörungen, klirrende Rockabilly-Riffs erklingen zu tropischen Reggae-Rhythmen. Und für Swing-Reminiszenzen, bayerische Ländler oder Hawaii-Folklore findet sich auch noch ein Plätzchen in diesem turbulenten Durcheinander.

Mit dem Tod des Gitarristen Hans Reffert im Februar 2016 ist das Ausnahme-Ensemble, zu dem sich der Mannheimer Griffbrettvirtuose mit seinem Odenwälder Kollegen Adax Dörsam zusammengeschlossen hatte, leider für immer verstummt. Aber die Musik von Schrammel & Slide lebt weiter. Ein neues Album erinnert jetzt an das Schaffen dieses Kreativteams: „Best Of“ enthält bei einer Laufzeit von 77 Minuten 24 Titel aus den sieben CDs des Duos, die mit Gästen wie Mani Neumeier oder Lydie Auvrey zwischen 1993 und 2011 erschienen sind.

Spiel ohne Grenzen

Die Welt als globales Dorf – bei Schrammel & Slide ist sie musikalische Wirklichkeit geworden. Reffert und Dörsam vermischen Einflüsse aus aller Herren Länder, als ob es keinerlei Grenzen gäbe, zu einer Art imaginärer Folklore. Sie entführen an wundersame Orte, die nur in der Fantasie existieren. Das Stück „Coucou“ etwa klingt, als stamme es aus einer (erfundenen) Südsee-Insel, auf der Polynesier, Afroamerikaner, Italiener und Österreicher einträchtig miteinander leben.

Bei „Das Stilzel“ mit seinen Gitarren-Seufzern und den beschaulichen Ländler-Anklängen von Auvreys Akkordeon dagegen scheint sich der Mississippi durch die Alpen zu schlängeln. „Rabea“ ist ein aberwitziger Mix aus bayerischer Stubenmusik, flirrendem Jazz-Blues im Stil von John Mayalls „Turning Point“-Phase und Latin-Rhythmen. Beim „Blue Mambo“ schließlich gesellen sich schmalzige Gondoliere-Serenaden und Tango-Einlagen zu sirrender Slide-Gitarre und schaukelnden Mambo-Anklängen. Wahrlich: Nicht zu fassen, diese Musik.