Kultur

Konzert Das Duo Rufus Coates und Jess Smith in Mannheim

Düsternis umweht irische Lieder

Archivartikel

Mit seinen knapp fünf Millionen Einwohnern zählt Irland zwar nicht zu den Schwergewichten unter Europas Staaten, doch in Sachen Kultur spielt das kleine Land in der ersten Liga. Düster ist meist die Lyrik, was auch für das Werk von Rufus Coates und Jess Smith gilt.

Gemeinsam bilden sie das Gespann Rufus Coates & The Blackened Trees. Bei den Liedern schimmert auch ein wenig die Kunst eines Nick Cave hindurch. Melancholisch, manchmal ironisch sind ihre Lieder. Und doch. Wer die zwei musikalischen Minimalisten bei ihrem Auftritt im Alten Volksbad beobachtet, entdeckt nicht bloß Hoffnungslosigkeit. Bei Rufus Coates’ extrem sparsamem und meist langsamem Gitarrenspiel in oft nur zwei Harmonien wird klar, dass es ihm auf die Substanz seiner Songtexte ankommt. Sekundiert von Jess Smith, deren Gesang mal lieblich, mal absolut rau und geschrien ist, präsentiert sich das Duo als musikalische Nischenformation, die den Kommerz unserer Zeit ablehnt.

Seit ungefähr fünf Jahren treten Smith und Coates gemeinsam auf meist kleinen und Kleinstbühnen auf und manchmal sogar in Räumen, die nicht für Musikveranstaltungen gedacht sind. Ein Beispiel hierfür ist das Mannheimer Alte Volksbad. Im Treppenabgang zur Kellerbühne beginnt das Duo seinen Auftritt im ersten Konzertteil, der im kleinen Bühnenraum bis zur Pause fortgesetzt wird.

Kalte Ruinenakustik

Am Ende jedoch wechselt das Duo in den Badesaal, dessen aufgebrochene Kabinen eine zwar kalte, aber etwas verhallte Ruinenakustik bietet. Bei der Kunst von Rufus Coates & The Blackened Trees wird das Alternative zur Norm. Nichts ist Klischee und alles unerwartet. Und wer die Welt eher durch eine dunkle Brille betrachten möchte, für den ist die Musik des inzwischen in Berlin lebenden Duos gerade richtig.