Kultur

Kunst Mannheimer Galerie im Tulla zeigt unter dem Titel „Malzeit“ Gemälde von Gabriele Streile

Dynamische Balance der Farben

Ihr temperamentvoller Pinselstrich zieht magisch an, und man spürt regelrecht, wie viel Energie im Malprozess freigesetzt wird. Zarte Rosatöne, gebrochen durch erdige schwarz-grüne Notationen wirken aufrührerisch. Gabriele Streile sucht offenbar bei allen ihren Bilder nach einer dynamischen Balance, nach dem entscheidenden Augenblick, wo das Licht die Landschaft so verfremdet, dass deren Darstellung eher surreal wirkt. Aber so ist die Wirklichkeit, denn sie ist ohne die aktive Beteiligung des wahrnehmenden Subjektes nicht existent.

Bilder der Künstlerin, die zwischen 1970 und 1976 an der Staatlichen Akademie in Karlsruhe studiert hat, sind jetzt in den oberen Fluren der Tulla-Realschule zu sehen. Neben den besagten Landschaften sind dies in erster Linie Stillleben, denn die Malerin orientiert sich an den klassischen Kunstthemen, die sie zeitgemäß interpretiert und so mit neuer Lebensenergie auflädt. Letzteres bedeutet für sie die Verfremdung des unmittelbaren Natureindrucks durch Spiegelungen und Übermalungen, oder Wolkenschleier, die sich wie Schichten über ihre Kompositionen legen.

Aber vor allem sind es die auf den ersten Blick so gegensätzlich wirkenden Farben, die diese oszillierende Energie ausmachen. Da ist zum Beispiel eine pechschwarze Tanne vor orangerotem Hintergrund, die trotz der wenigen, mit trockenem Pinsel ausgeführten Strichen voluminös, gleichzeitig aber verletzlich wirkt. Zufallseffekte, die im Laufe des Malprozesses entstehen, werden in die Entwicklung des Bildes mit einbezogen. „Eine sehr eindrucksvolle Serie“, erzählte Dorothea Fogt, die zusammen mit ihrer Kollegin Susanne Klehr die Ausstellung in der Tulla-Realschule kuratiert, „ist zum Thema Rheinebene entstanden, wo sie einen bestimmten Landschaftsausschnitt bei unterschiedlichen Lichteinstrahlungen zeigt.“

Namhafte Preise erhalten

Die Künstlerin lebt heute mit ihrer Familie in Oberkirch bei Offenburg. Daneben hat sie auch ein Atelier in Berlin. Für ihr Schaffen erhielt sie namhafte Preise, wie den Kunstpreis der Stadt Bühl und den Hanna-Nagel-Preis der fünf Präsidentinnen, Karlsruhe. Zahlreiche Arbeiten von ihr befinden sich in öffentlichem und privatem Besitz.