Kultur

Literatur regional Hazel Rosenstrauch über Simon Veit

Edler Charakter

Dorothea Schlegel ist eine der berühmtesten Frauen der deutschen Romantik. Die im Jahr 1764 geborene Tochter des aufgeklärten jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn und spätere Frau des Dichters und Theoretikers Friedrich Schlegel unterhielt einen der maßgeblichen literarischen Salons in Berlin. Zu dieser Zeit hieß sie noch Brendel Veit, war in erster Ehe mit einem Mann verheiratet, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte und mit dem sie zwei Söhne hatte, die später wie sie selbst zum Christentum konvertierten und namhafte Maler wurden.

Unterstützung der Ex-Frau

Ihr erster Mann, Simon Veit (1754-1819), war ein reicher jüdischer Kaufmann und Bankier, der in Zeugnissen der Romantiker als tumb und lieblos beschrieben wird – wohl auch deshalb, um Brendels Bruch mit ihm leichter zu rechtfertigen. Vom „missachteten Mann einer berühmten Frau“ spricht die Publizistin und Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch in ihrem aufschlussreichen Buch, welches das von ihm überlieferte Bild gründlich korrigiert.

Rosenstrauch rekonstruiert ein Charakterbild und zugleich die Umrisse einer Zeit, in der sich die moderne bürgerliche Gesellschaft zu konstituieren begann. Besonders erhält das zeitgenössische jüdische Leben Kontur, das sich im Zwiespalt zwischen Orthodoxie und Assimilation bewegte und deren Repräsentanten rechtlich noch immer nicht gleichgestellt und ausgegrenzt waren. Simon Veit teilte die geistigen Interessen seiner Frau nur ansatzweise, für Kunst interessierte er sich wohl erst dann, als seine Söhne sich dieser widmen wollten. Er förderte sie aber und unterstützte auch seine geschiedene Frau (und damit zugleich Friedrich Schlegel) finanziell.

Hazel Rosenstrauch nennt Simon Veit „gemäßigt, solide, vernünftig, großzügig, tolerant, wahrhaft edel und verantwortungsvoll“. An seinem Leben lassen sich Züge ablesen, die speziell für die jüdische Zeitgeschichte so repräsentativ waren wie für die deutsche und europäische im Allgemeinen. Darüber hinaus gerät das lehrreiche, wohlformulierte kleine Buch zu einem engagierten „Plädoyer für die Aufhebung überholter Kategorien“.