Kultur

Philharmonisches Orchester Würzburg "Missa Solemnis" in der Jakobskirche aufgeführt

Ein engelsgleicher Willkommensgruß

Mit den ersten Tönen des Kyrie aus Ludwig van Beethovens "Missa Solemnis" zog das Philharmonische Orchester Würzburg beim zweiten Sinfoniekonzert die Zuhörer in der St. Johanniskirche in ihren Bann und ließ sie bis zum Agnus Dei emotional nicht wieder los.

Viele Rätsel gibt Beethovens anspruchsvolles, zwischen 1817 und 1823 komponiertes Spätwerk den Musikern, Sängern und Zuhörern auf; nicht so dem Komponisten, der über dem "Kyrie" notierte: "Von Herzen - möge es wieder zu Herzen gehen". Handelt es sich um eine Messe, eine Konzertmesse oder ein Oratorium, wie es im Programm der Uraufführung 1824 in St. Petersburg hieß? Die hohen Ansprüche an die Mitwirkenden löst die "Missa Solemnis" aus der Verbindung mit der Liturgie; die funktionale Bindung an den Gottesdienst ist somit aufgehoben, und das Werk wird quasi selbst zur Eucharistiefeier, die inzwischen in allen Konzertsälen der Welt zu Hause ist.

Rückblickend war es kein Nachteil, dass diese ursprünglich für das Hochamt anlässlich der Inthronisationsfeier des Erzherzogs Rudolf als Erzbischof von Olmütz geplante Komposition erst drei Jahre später fertig wurde. Denn höfischen Prunk mit feierlichen, majestätisch-festlichen Klängen zu untermalen, konnte nicht Beethovens Anliegen sein, dessen Sinfonien vom Geist der Aufklärung und der Französischen Revolution durchdrungen sind.

Vor diesem Hintergrund überraschte nicht, wie Generalmusikdirektor Enrico Calesso am Pult mit sparsamen Gesten, aber hochkonzentriert, sein Orchester, den Opernchor und Extrachor und das vierköpfige Solistenensemble, das Beethoven wie einen zweiten (Solo-) Chor einsetzt, unter einen Hut zu bringen wusste. Mit dem immer wieder einsetzenden Fortissimo stieß der eher intime Kirchenraum bei rund 100 Mitwirkenden deutlich an seine Grenzen, denn eigentlich stellt Beethoven die Auseinandersetzung des Einzelnen mit den christlichen Werten in den Mittelpunkt seiner Komposition, die er Wort für Wort musikalisch übersetzt.

Franz-Peter Fischer gelang ein überirdisch schön klingendes, hauchzartes Geigensolo im Benedictus. Für die Gesangssolisten Silke Evers (Sopran), Marzia Marzo (Alt), Thomas Mohr (Tenor) und Igor Tsarkov (Bass) gab es dagegen wenig Gelegenheit, sich mit virtuosen Einwürfen auszuzeichnen.

Als ausgewiesene Solisten ihres Fachs bringen sich alle in ein sehr ausgewogenes Quartett ein, das sich - wie das Orchester - den extremen Wechseln im Tempo und der Dynamik gewachsen zeigte. Erst im Agnus Dei kam der wohltönende, sonore Bass von Igor Tsarkow richtig zur Geltung.

Wieder einmal zeigte sich, dass die Chöre des Mainfranken Theaters ein richtiges Pfund sind, mit dem Enrico Calesso dank einer ausgefeilten Einstudierung von Anton Tremmel zu wuchern wusste.