Kultur

Das Porträt Leslie Malton gehört der Jury an, die über den Filmkunstpreis entscheidet / Zur Schauspielerei über die behinderte Schwester gefunden

"Ein Film muss mich mit auf eine Reise nehmen"

Leslie Malton war schon zu Gast, als das Filmfestival in Ludwigshafen 2005 Premiere feierte. Seitdem hat die Schauspielerin die Erfolgsgeschichte auf der Parkinsel mitverfolgt - und in diesem Jahr hat es auch mit einer zentralen Rolle hinter den Kulissen geklappt: Gemeinsam mit dem Fernsehjournalisten Meinolf Zurhorst und dem Produzenten Ernst Ludwig Ganzert bildet sie die Jury, die über den Träger des Filmkunstpreises entscheidet. Gerade hat sie einen der Beiträge noch ein zweites Mal angeschaut, nach dem Gespräch muss sie dann zur abschließenden Besprechung mit den anderen Juroren.

21 Filme sind im Wettbewerb, fiktiv oder dokumentarisch, amüsant oder bedrückend. Die große Bandbreite mache den Austausch mit den anderen Jury-Mitgliedern so spannend, erzählt die 58-Jährige. Und gleichzeitig mache sie die Aufgabe, die Beiträge zu vergleichen, so anspruchsvoll.

Bankerin im "Großen Bellheim"

"Ein guter Film muss zuallererst mein Interesse halten, mich von der ersten bis zur letzten Minute mit auf eine Reise nehmen", sagt die Schauspielerin. Gleichzeitig sei es wichtig, das Gemeinschaftswerk zu erkennen. Die besten Schauspieler können ein schlechtes Drehbuch nicht retten. "Ein Film ist eine Ensemblearbeit, bei der alle eine gemeinsame Sprache finden müssen."

Leslie Malton erlebte ihren Durchbruch 1992 als Bankerin in Dieter Wedels Mehrteiler "Der große Bellheim", danach folgten unzählige Rollen vor der Kamera und auf der Theaterbühne. Wer so lange im Geschäft ist, kann die Entwicklung der Branche gut einschätzen. Malton beobachtet und bedauert, dass für Produktionen immer weniger Zeit zur Verfügung steht. "Als Schauspieler will man in eine Figur einsteigen, sie ausloten, auch mal Fehler machen dürfen", sagt sie. "Wenn Filme heute zum Teil in nur noch 20 Tagen gedreht werden müssen, dann ist das kreativ sehr beengend."

Aus künstlerischer Sicht wiederum sieht sie die Entwicklung des deutschen Films positiv. "Filmemacher haben in den vergangenen 15 Jahren eine eigene, individuelle Sprache entwickelt - mit ganz unterschiedlichen Richtungen. Die Filmschulen geben ihnen offenbar nicht mehr so enge Strukturen vor."

Malton kam in Washington auf die Welt, ihr Vater war US-Diplomat. Zur Schauspielerei fand sie auf einem sehr persönlichen Weg - auch wenn ihr das nicht sofort bewusst war. Maltons knapp ein Jahr jüngere Schwester verlor im Alter von zwei Jahren nach und nach die Fähigkeiten, die sie sich bis dahin angeeignet hatte. Erst vor einigen Jahren erfuhr die Familie, dass das sogenannte Rett-Syndrom hinter der schweren Behinderung ihrer Schwester steckt. Eine Krankheit, die fast ausschließlich Mädchen bekommen. Malton sagt, dass sie ihre Schwester schon als Kind für die anderen "übersetzen" musste: "Ich konnte sie immer schon am besten beruhigen, sie zum Lachen bringen oder ablenken. Ich musste mich dafür in sie hineindenken." Und genau das sei es auch, was sie als Schauspielerin mache.