Kultur

Theater Heilbronn Nach 34 Jahren Provisorium neues Probenzentrum eröffnet

Ein Haus - drei Bühnen

"Wie Phönix aus der Asche": So beflügelt fühlt es sich für Axel Vornam an, endlich ordentliche Probenräume zu haben. 34 Jahre hatte das Theater in Provisorien (Lagerräume, Alte Kelter) geprobt - und bekanntlich hält nichts länger als ein Provisorium. Das Warten und Leiden in suboptimalen bis desaströsen Bedingungen ist nun vorbei: "Erstmals hat das Theater Heilbronn eine feste Probebühne! Das ist ein historischer Moment und ein starkes Bekenntnis zum Theater", sagt Oberbürgermeister Harry Mergel in seiner Rede bei der Eröffnung des neuen Theater-Probenzentrums.

Lange Suche nach Lösung

Lange haben Stadt und Theater gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Von Juni 2011 bis September 2014 wurden 13 Standorte als mögliche neue Probebühnen besichtigt und geprüft. Die Alternativen lauteten Umwidmung und Ertüchtigung bestehende Gebäude - oder Neubau eines modernen Probenzentrums auf einem städtischen Grundstück. Nach Abwägung aller Kosten und Nutzen blieb der Neubau in der Christophstraße, Ecke Hans-Seyfer-Straße, die optimale Variante.

Heilbronn eine Kulturwüste? Das war gestern. Eine Stadt dieses Formats müsse Kulturschaffenden mit Respekt und Anerkennung begegnen, so Mergel, der die Nachkriegsgeschichte des Heilbronner Theaters aus eigener Anschauung kennt und Revue passieren lässt. Er sei durch das Theater in Heilbronn kulturell sozialisiert worden, erklärt der Oberbürgermeister, der in seiner vormaligen Funktion als Kultur-Bürgermeister bereits wesentlich an der Entscheidung beteiligt war. Am 18. Dezember 2014 beschloss der Gemeinderat den Neubau.

Die Bühnen des Jugend-Theaters Boxx, das Podium des Komödienhauses, sogar eine Kopie der Drehbühne des Großen Hauses wurden maßstabgetreu nachgebaut. Mitten im Gewerbegebiet gelegen, erfüllt der in schlichter Eleganz gehaltene und zweckmäßige Baukörper alle Anforderungen an ein modernes Probenzentrum.

"Ein Haus - drei Bühnen" so das Motto des Stuttgarter Architekturbüros Kohler Grohe. "Wir sehen die Probebühnen als kreative Produktionsstätten. Hier sollen sich die Künstler ganz auf den Schaffensprozess der Bühnenproduktion konzentrieren können. Im Kontrast dazu sollen der einladende Ruhe- und Pausenraum im Obergeschoß inklusiv der Dachterrasse den Schauspielern den erforderlichen Ausgleich bieten", erläutert Architekt Martin Kohler.

"Veranschlagt waren 5,2 Millionen Euro, gekostet hat es 5,2 Millionen Euro! Das ist eine einzigartige Punktlandung!", freut sich (nicht nur) Kohler. Und auch der Zeitplan wurde auf den Tag genau eingehalten, also eine doppelte Punktlandung!

Bekenntnis zum Theater

Im Namen aller Mitarbeiter des Theaters dankte Intendant Axel Vornam dem Gemeinderat ausdrücklich für die Entscheidung zum Neubau des Probenzentrums und damit der Stadt Heilbronn für ihr deutliches Bekenntnis zu ihrem Theater. "Dieses neue Probenzentrum ist für uns Theaterleute nicht nur eine Frage von verbesserten Arbeitsbedingungen, sondern von enormer Symbolkraft. Wir nehmen es als Zeichen der großen Wertschätzung, die die Stadt Heilbronn ihrem Theater entgegenbringt." Er dankte auch dem Architekturbüro Kohler Grohe, der Stadtsiedlung als Bauträger und dem Generalunternehmer, der Implenia Hochbau GmbH, für die hervorragende, konstruktive Zusammenarbeit und den zügigen und reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten.

Jetzt kann's losgehen: Mit "Pinocchio", "Taxi, Taxi" und "Venedig im Schnee" ist die erste Runde eingeläutet.