Kultur

Heidelberger Frühling Konzert zum Ende der Lied-Akademie

Ein kleines Festival für Hochbegabte

„Das Publikum sehnt sich nach Poesie“, fundamentiert Thomas Hampson die Absichten, warum er beim Heidelberger Frühling mit jungen Sängern so intensiv in der Lied-Akademie gearbeitet hat. Die Früchte durfte genau jenes Publikum beim Abschlusskonzert in der Heidelberger Stadthalle ernten. Ein kleines Festival der Hochbegabten, quer durch die Stimmlagen und Stimmfächer, doch alle dem Kunstlied in seinen verschiedenen Ausprägungen „so traulich und so nah“ zugewandt (wie es in einer Zeile von Ernst Schulze „Still sitz’ ich an des Hügels Hang“ heißt – das Gedicht hat Schubert unter dem Titel „Im Frühling“ Op. 101, no. 1, D. 882 als Lied vertont).

Auftakt mit dem hellen, ja zauberhaft geführten Sopran von Theresa Pilsl mit Schuberts „Im Frühling“, eine Entdeckung – unter vielen an diesem Vormittag. Etwa der prächtige Bariton von German Alcántara, der unbedingt auf die Opernbühne muss, um beispielsweise Lieder von Erich Wolfgang Korngold und Miguel Ortega zu Gehör zu bringen. Liedgestaltung kann noch reifen. Hinreißend schöne Melismen in ruhig geführter Klangsinnlichkeit bietet die Mezzosopranistin Adèle Charvet an mit Liedern von Bizet und Reynaldo Hahn, deren Idiom sie ideal ausschöpft.

Ausgereift und selbstsicher auch der Mezzo von Erna Nikolovska, die sich vor allem bei Mahler („Wer hat dies Liedlein erdacht“) wohlfühlt. Außergewöhnlich der Kontra-Alt von Jessica Dandy, selbstbewusst und modulationsfähig mit Hugo Wolf und Gustav Mahler („Ich bin der Welt abhanden gekommen“). Ausgeglichenes Timbre in gleitender Harmonie zeichnet die Mezzo-Stimme von Giulia Laudano aus, wenn sie Schumanns Gedichte der Königin Maria Stuart interpretiert.

„Mondnacht“ in irisierendem Licht

Gestalt gibt der schlanke Tenor von Johannes Maas seinen Schubert-Liedern, wobei er sich im Erlkönig sehr wohl zu Evokationen aufschwingt, während sein Tenor-Kollege Ferdinand Keller „Taubenpost“ und „Auflösung“ aus ganz eigener Stimmprägung präsentiert. Auch der Bariton Matthias Hoffmann gefällt mit sensibler, auch erzählerischer Ausleuchtung bei Gabriel Fauré und Hugo Wolf („Der Feuerreiter). Den Schlusspunkt setzt Bariton Julien van Mellaerts, der vor allem Schumanns „Mondnacht“ in irisierendes Licht taucht.

An der Kompetenz der Klavierpartner Daniel Gerzenberg, Toni Ming Geiger, Harry Rylance und Ammiel Bushakevits besteht kein Zweifel. Das Publikum zeigt sich begeistert – auch beim Applaus.