Kultur

Literatur In Kommissar Dupins neuntem Fall nimmt Jean-Luc Bannalec seine Leser mit auf furiose Verbrecherjagd

Ein kniffliger Fall in Saint-Malo

Archivartikel

Jäh reißt ein Schrei Kommissar Dupin aus seiner himmlischen Käse-Verkostung. Vor dem Gewürzstand in den Markthallen der Altstadt von Saint-Malo in der Bretagne, gleich nebenan, wird fast vor seinen Augen eine Frau erstochen. Die vermeintliche Täterin flieht. Es handelt sich um die Schwester des Opfers, stellt sich schnell heraus. Beide Frauen betreiben höchst angesehene Restaurants in der Region. Eine furiose Verfolgungsjagd beginnt – und reißt Dupin aus seinen kulinarischen Verzückungen. Dabei wird der erste Mord, der die Idylle im beschaulichen Saint-Malo zerschneidet, nicht der letzte sein.

Ein weiterer Toter

Diesmal fällt der Ort des Geschehens nicht einmal in die eigentliche Zuständigkeit des Kommissars aus Concarneau im Finistère. Ihn hat der Besuch eines Polizeiseminars nach Saint-Malo geführt, in diese Stadt am Meer mit ihrer berühmten Ville Close und ihrer abenteuerlichen Geschichte, die für echte Bretonen eigentlich schon fast außerhalb der Bretagne liegt. Erklärtes Ziel: die Kooperation zwischen den bretonischen Departements zu verbessern. An der Seite seines Präfekten Locmariaquer, aber getrennt von seinem erprobten Team in Concarneau beginnt Dupin nun gemeinsam mit den anderen Kommissaren die Ermittlungen.

Die vermeintliche Täterin, Lucille Trouin, wird schnell gefasst – aber sie schweigt beständig. Unterdessen stoßen die Kommissare auf einen weiteren Toten. Die Ermittlungen erweisen sich als zäh, die Umstände dunkel. Handelt es sich um einen Familienzwist? Um erbitterte Rivalität in der kulinarischen Szene von Saint-Malo? Welche Rolle spielt der Sou-Chef von Lucille in der ganzen Sache? Seine Ermittlungen wie auch das reichhaltige Rahmenprogramm seines Seminars führen Dupin zumindest erst einmal quer durch die besten Restaurants der Umgebung.

Und darum geht es – hinter dem ganzen Mordgeschehen – ja eigentlich auch im neunten Fall von Kommissar Dupin: um die Köstlichkeiten aus der Bretagne, die Schönheit der Landschaft und: das unvergleichliche Licht. Es folgen eine kulinarische Reise durch die Ville Close samt historischem Exkurs in die Rum-Herstellung und die Zeit der Korsaren, Besuche im Seebad Dinard, in die selbsterklärte „Austernhauptstadt“ Cancale und Abstecher an die schönsten Strände.

Nicht umsonst wurde der Autor Jean-Luc Bannalec bereits 2016 vom Regionalrat als „Mécène de Bretagne“ (Mäzen der Bretagne) zum Botschafter der Region gekürt. Und für den Tourismus dort ist der Schriftsteller inzwischen eine feste Größe. Mancherorts erhält man in den Touristen-Informationen auch bereitwillig Tipps, welche Tatorte in der Umgebung liegen und vielleicht einen kleinen Abstecher lohnen könnten.

Alle Krimi-Folgen um den aus Paris strafversetzten Kommissar Dupin wurden unterdessen von der ARD mit Pasquale Aleardi in der Hauptrolle verfilmt. Alle Folgen der erfolgreichen Reihe wurden in der Bretagne teils an Originalschauplätzen gedreht, reichen aber dennoch kaum an die atmosphärische Dichte der Romane heran. Das ZDF führte 2014 zudem in einem Bericht zu den Schauplätzen der ersten beiden Bände. 2017 folgte auf Arte die Reportage „Mordsidyll – In der Bretagne mit Jean-Luc Bannalec“.

An seinem Pseudonym Bannalec – übrigens ebenfalls der Name einer Kleinstadt im Finistère – hält der Autor auch im neunten Fall von Kommissar Dupin weiter fest. Dabei war es schon frühzeitig gelüftet – zu groß war der Erfolg, den die Krimis hatten – und die Neugier nach dem zuvor unbekannten Autor. Sämtliche Folgen schafften es mühelos auf die vorderen Plätze der Bestsellerliste. Autor Jörg Bong war zwei Jahrzehnte bis vor einem Jahr verlegerischer Geschäftsführer des S. Fischer Verlags. Der Autor, Verleger, Literaturwissenschaftler und Herausgeber lebt abwechselnd in Frankfurt am Main und im Finistère.

Mit seinem Abschied vom S. Fischer Verlag wolle er seine Zeit jetzt ganz dem Schreiben widmen, sagte Bong einmal dem „Spiegel“. Den Stoff für neun Dupin-Fälle hatte er frühzeitig im Kopf. Die Fan-Gemeinde darf gespannt sein, was bald folgen wird. 

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