Kultur

Klassik Christoph Eschenbach leitet das SWR-Orchester

Ein Komet aus Tönen

Archivartikel

Komponisten zeitgenössischer Musik verstehen es zumeist, verführerisch mit Worten umzugehen. Doch auf die dazugehörigen Sirenenklänge warten ihre Hörer oft vergebens. Esa-Pekka Salonens Konzert für Cello ist da anders: Salonen verspricht, im ersten Satz die „Flugbahn eines sich bewegenden Objekts im Raum“ (die Bahn des Solo-Cellos) nachzuzeichnen, dem die übrigen Orchesterinstrumente „wie der Schweif eines Kometen“ folgen sollen. Und genauso klingt es, wenn Nicolas Altstaedt und das SWR-Orchester unter Christoph Eschenbach in Mannheim diesen Einstiegssatz im Mozartsaal des Rosengartens spielen. Altstaedt ist als Residenzkünstler der laufenden Konzertsaison beim SWR gebucht. Er kennt das erst zwei Jahre alte Stück aus nächster Nähe, hat es mit dem Komponisten-Dirigenten Salonen zusammen aufgeführt.

Nordische Sphären am Schluss

Seine intimen Werkkenntnisse inspirieren Altstaedt denn auch zu intimem Spiel. Das Cello als „humanes“, „warmes“ Instrument zu zeigen, das (wie sonst höchstens die Bratsche) menschlichem Gesang am nächsten kommt, ist auch die Intention von Salonen. Wie viele Skandinavier ist er kein beinharter Modernist, nicht nur das dreisätzige „klassische“ Konzert-Format behält er bei. Bedachtsam setzt er Elektronik ein, mit „Loops“, die eine Echokammer zimmern und aus den Glissandi Altstaedts etwas machen, das fast wie ein Möwenschwarm auf einer Klippe wirkt. Aus eher nordischen Bereichen bricht das Stück im Schlusssatz aus, wenn Conga-Trommeln konzertierend mit- und aufmischen und Altstaedt aus der melancholisch abgeklärten Selbsterkundung einen Sprung ins pralle Leben wagt. Ehe der Schweif von Salonens Komet verglüht.

Die Glut von Robert Schumanns dritter Sinfonie (der „Rheinischen“) sucht Christoph Eschenbach zu schüren. Er versteht und dirigiert den Komponisten nicht von Grund auf neu, konzeptionelle Schärfe ist nicht seine Art, und die Synkopen des bekannten Eingangsthemas glättet er sogar. Aber im vierten Satz, der eine Prozession im Kölner Dom imaginiert, kommt gut heraus, wie Schumann schon auf Bruckners Klangwelten verweist. Ein blechgestützter orchestraler Kathedralen-Bau greift Raum.

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