Kultur

Gedenktag Heute vor 100 Jahren wurde in Ludwigshafen die Bildhauerin Lore Vogel-Trummer geboren

Ein Leben lang getrieben von einer Utopie

Der Geist von Lore Vogel-Trummer ist hier immer noch wach, auch 17 Jahre nach ihrem Tod am 14. Januar 2000. Zwar wurde die Bildhauerin heute vor hundert Jahren in Ludwigshafen geboren, aber gelebt und gearbeitet hat sie in Mannheim in der Schwarzwaldstraße auf dem Lindenhof - in dem Haus, in dem heute ihre Tochter Erika Huwendiek den Nachlass bewahrt. Genauer gesagt: einen Teil des Nachlasses, denn Lore Vogel-Trummer arbeitete bis wenige Jahre vor ihrem Tod, und vieles ist unter den Nachkommen verstreut.

Der persönliche Umgang mit ihr mag einfach gewesen sein - ihre Kunst ist es nicht. Die talentierte junge Frau musste, bedingt durch zwei Weltkriege, bis zu ihrem 37. Lebensjahr warten, bevor sie überhaupt eine Ausbildung machen konnte, aber dann ging alles sehr schnell. 1954 wurde sie zunächst Schülerin von August Dursy in Schwetzingen, aber noch im selben Jahr auch an der Freien Akademie Mannheim bei Carl Trummer, der eine ganze Generation junger Bildhauer prägte, sowie bei dem Maler Paul Berger-Bergner. Schon 1957 machte sich die Bildhauerin selbstständig, im selben Jahr, in dem Trummer unerwartet starb.

Einfühlsames Porträt

Der Aufbruchsgeist der Nachkriegsjahre hatte auch sie erfasst, freilich nicht im Sinn oberflächlicher Effekthascherei. Unkonventionell und anti-akademisch war Lore Vogel-Trummer eher aus philosophischem Denken. Als der indische Philosoph Sarvepalli Radakrishnan 1961 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, erregte sie Aufsehen mit einem ungewöhnlich einfühlsamen Porträtkopf des Denkers, den sie zuvor in Paris kennen gelernt und mit dessen Schriften sie sich bereits Jahre lang auseinander gesetzt hatte. Mit dem Radakrishnan-Porträt, das von Tochter Erika Huwendiek wie viele andere Arbeiten im Gips-Original bewahrt wird, wurde Lore Vogel-Trummer das Ziel bewusst, das sie seitdem konsequent und mit zunehmender Symbolik verfolgte: "...Gedachtes und Gedankliches in Materie umzusetzen und mit der so gewonnenen Form die Konvention zu sprengen."

Damit war ein in Anspruch gesetzt, der als Utopie immer nur angestrebt, aber nie erfüllt werden kann, denn der menschliche Geist, Teil einer universellen Geistigkeit alles Lebens, wie es von Lore Vogel-Trummer verstanden wurde, entzieht sich der Materie - er kann jedoch immer nur durch Materie sichtbar werden. Als Porträtistin wurde sie begehrt und mit Recht bewundert.

Wer saß nicht alles in ihrem Atelier! Kunsthallendirektor Walter Passarge, Bürgermeister Hans Reschke, der Wiesbadener Malerkollege Hans Ritschl... Aufsehen, aber auch Unverständnis erregte seinerzeit das aus vier Gesichtern bestehende Porträt von Mannheims Schauspieldirektor Heinz Joachim Klein, der sozusagen in die Rollen menschlicher Erfahrungen und Lebenssituationen aufgespalten ist und von einem stilisierten Eulenkopf als Symbol von Weisheit und Erkenntnis gekrönt wird.

Im Bestand der Kunsthalle

Durch den Einsatz symbolträchtiger abstrakter Formen wie Dreieck, Rosette, Welle oder Spirale wurde die Kunst von Lore Vogel-Trummer außerhalb der Arbeit am Porträt immer ungegenständlicher und schwieriger. Plastiken wie "Lebendige Kraft", "Kosmischer Tanz", "Wandlung" oder "Tor zum Licht" können zwar aus dem Geist einer universellen Mystik entschlüsselt werden, sind aber auf Anhieb schwer zu verstehen. Das Werk "Zwiespalt" fand immerhin Eingang in die Bestände der Mannheimer Kunsthalle.