Kultur

Pop Florence + The Machine treten vor 20 000 Zuschauern in Köln auf / Genremix bringt Lanxess-Arena zum Kochen

Ein melodischer Ruf in Richtung Unendlichkeit

Archivartikel

Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 standen Florence + The Machine für die Kunst musikalischer Grenzüberschreitung. Denn im melodischen Dickicht zwischen Indie, Pop und Soul suchten sie ihren Standpunkt nie in der Abgrenzung, sondern verbanden die Kräfte der Genres – und führten den daraus entstandenen Hybriden zu Weltruhm.

Weit über die Insel hinaus machten Florence Welch und ihre „Maschine“, wie sie ihre Band augenzwinkernd nennt, Karriere und überstrahlten einen durchkonventionalisierten Musikmarkt mit zunehmend selbstverständlichen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Beim jüngsten Konzert in der Kölner Lanxess-Arena wirkt es, als sei dieser Erfolg der Befreiungsschlag einer besonderen Persönlichkeit, die nur darauf wartete, die eigene Vision künstlerischer Freiheit vollends selbst zu verwirklichen. Denn vor gut 20.000 Fans dient das Motto der Tour, „Hoch wie die Hoffnung“ („High As Hope“), nicht als bloßer Pappaufsteller: Hier entfaltet sich eine Frau, die mit ihrer Musik schon immer in Richtung Unendlichkeit rief, um nun das Gehör einer Weltaufmerksamkeit zu finden.

Extreme Kontraste

Die Kontraste während des Kölner Konzerts könnten dabei extremer nicht sein. Denn auf der einen Seite steht hier ein zerbrechliches Wesen am Mikrofon, das sich im Negligé-artigen Kleid fast gänzlich transparent macht und bei jedem stürmischen Beifall fast schon mädchenhaft zu kichern beginnt. Auf der anderen Seite ist da diese kraftvolle Wildheit, mit der Welch tanzend ihre Pirouetten über die Holzbühne schraubt, sängerisch zwischen Kate Bush („Queen Of Peace“) und Tori Amos („Ships To Wreck“) oszilliert - und sich zu unerhört klaren politischen Statements hervorwagt.

Tausende Fans halten die Hände

Als Welch zur Power-Ballade „South London Forever“ lauthals für eine multilaterale Union der Menschen frei von Nationalitäten plädiert, fassen sich tausende Fans an den Händen und überwinden mit ihrer Ikone die Grenze des Unbekannten. Ein Bild von ikonographischer Macht.

Dabei ist es genau dieser kesse Mut, der an einem instrumental ohnehin überzeugenden Abend den Unterschied macht. Denn wer das gute Jahrzehnt in der Karriere der Florence Welch verfolgt hat, weiß längst, dass sie auch einem achtköpfigen Instrumental-Ensemble zwischen Harfe und Percussion, Geige und Xylophon spielerisch gewachsen ist. Doch es sind die Momente des Unerwarteten, die bleiben. Eine Sängerin, die zur Empowerment-Nummer „Delilah“ plötzlich wie ein wild gewordener Derwisch durch die Arena rennt, um in Euphorie zu baden. Eine Protagonistin, die ihrem großen Vorbild, Patti Smith, in „Patricia“ eine wuchtige Hommage widmet, bis selbst ihr mörderisches Organ neuen Atem fassen muss. Und endlich: Eine expressive Diva, die globale Hits wie „Shake It Out“ als finale Zugabe zwar noch streift, mit ihren Gedanken aber längst über neuen, grenzenlosen Horizonten kreist.

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