Kultur

Rock Nu-Metal-Band Limp Bizkit spielt beim ausverkauften Zeltfestival Rhein-Neckar / 3800 Zuhörer im Palastzelt auf dem Mannheimer Maimarktgelände

Ein metallischer Hauch von Nostalgie

Archivartikel

Die Konzertdramaturgie ist etwas irritierend: 70 Minuten nach ursprünglich anberaumtem Showbeginn liefert das Vorprogramm zunächst einmal bassgewaltige Elektronica-Klangmalereien für kohlegrubenfinstere Mußestunden. Blvck Ceiling (alias Daniel Ocean, alias Daniel Cuccia) nennt sich der kapuzen-verhüllte Mann an der Konsole, der kaum im purpur ausgeleuchteten Bühnennebel auszumachen ist und die Zuschauer rätseln lässt, warum die Wahl wohl ausgerechnet auf ihn gefallen ist. Schließlich bildet sein 20-minütiges weltabgewandtes Nocturne beim Zeltfestival Rhein-Neckar den Auftakt für eine Band, die einen doch eher extrovertierten Stil pflegt – Limp Bizkit.

Es war Ende der 90er, Anfang der 2000er, als ein Genre namens Nu Metal den Crossover der Vorjahre in eine neue, von jugendlicher Kraft strotzende Phase schleuderte. Die US-Amerikaner von Limp Bizkit zählten zu den erfolgreichsten Protagonisten dieser Bewegung. Zwar wurde es um den Nu Metal zwischenzeitlich wieder recht still, und das jüngste Studioalbum Limp Bizkits datiert auf 2011 (auch wenn ein weiteres seit 2012 angekündigt ist).

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Aber das 3800 Besucher fassende Palastzelt auf dem Mannheimer Maimarktgelände war rasch ausverkauft. Und der Jubel ist groß, als Frontmann Fred Durst, Gitarrist Wes Borland (wieder einmal einnehmend extravagant geschminkt), DJ Lethal und Schlagzeuger John Otto auf die Bühne treten. Live ersetzt Tsuzumi Okai auf der aktuellen Tour Sam Rivers, den angestammten Bassisten der Band. Eingeläutet durch „Purple Rain“ von Prince, wird den Zuhörern in den kommenden 90 Minuten vor Augen geführt, wie enorm zitierfreudig der musikalische Kosmos der Amerikaner beschaffen ist: Sei es mit Trent Reznors/Nine Inch Nails’ „Closer“-Anspielung in „Hot Dog“, dem „Mission Impossible“-Thema in „Take A Look Around“ oder den Coverversionen von George Michaels „Faith“, „Behind Blue Eyes“ von The Who und „Killing In The Name Of“ von Rage Against The Machine. Dazu kommen Einspielungen und Song-Anrisse etwa von Harold Faltermeyers „Axel F“, von Cypress Hill, House of Pain, Blur und den White Stripes als Bindeglieder und Party-Beschleuniger. Dazwischen eingepflegt, sorgen die originären Limp-Bizkit-Hits wie „My Generation“, „Nookie“, „Rollin’ (Air Raid Vehicle)“ oder „Eat You Alive“ für ordentlich Fan-Zunder im Palastzelt: Die Zuhörer springen und singen mit, einige lassen sich auf Händen tragen, und zwei treten bei „Gold Cobra“ zu einem von Durst ausgerufenem Gitarrenspiel-Wettkampf an. „Es ist unglaublich, wie viel Energie und Leidenschaft Ihr habt“, bescheinigt der seinerseits durchaus formstark agierende Sänger dem Publikum. Klar, hier weht auch ein gewisser Hauch von Nostalgie von der Bühne, aber der wird von der Band erst glühend gehämmert, dann heiß und kross serviert. Das ist in jeden Fall sehr unterhaltsam.

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