Kultur

Enjoy Jazz II Liz Kosack erhält SWR Jazzpreis 2019 im Ludwigshafener Kulturzentrum das Haus – und wie immer bei ihren Auftritten trägt sie eine Maske

Ein musikalisches Monster

„Eines Tages wirst du ein Monster sein“, habe der große Bassist Bob Cranshaw einmal zu ihr gesagt, erzählt Liz Kosack und lacht. Gerade hat ihr SWR2-Kultur-Programmleiter Wolfgang Gushurst im Ludwigshafener Kulturzentrum das Haus den SWR Jazzpreis 2019 überreicht. Die US-amerikanische, in Berlin lebende Keyboarderin trägt dabei, wie immer bei Bühnenauftritten, eine Maske. Diesmal ist es eine Fellmaske, halb Wolf, halb Nagetier, mit kühn gebogener, greifvogelhafter Schnauze. Liz Kosack sei nicht nur Musikerin, so SWR2-Redakteurin Julia Neupert, die als Moderatorin durch den Enjoy-Jazz-Abend führt, sondern auch Videoperformerin, Grafikerin – und Maskenbildnerin.

Schier unbändige Energie

Hier spielt Kosack zunächst eines ihrer sehr seltenen Solo-Sets, sei sie doch „eine große Anhängerin der kollektiven Arbeit“, sagt Neupert.

Ein Sirren und Simmern, ein Gleißen erfüllt den gut gefüllten Saal, Kosacks Synthesizer wird zur Fanfare, wird zur psychedelischen E-Gitarre, wird gleichsam zu einer Schaltzentrale, die kollabierende elektrische Kreisläufe orchestriert. Im zweiten Set (nun mit muschelartig gestalteter Gesichtsmaske) musiziert die in einer Vielzahl von Ensembles aktive Kosack zusammen mit ihrer ältesten Formation, dem Trio VAX, an der Seite von Devin Gray am Schlagzeug und Patrick Breiner am Saxofon. Die Drei sind in manchen Momenten eine formidable Jazzband nach engerer Vorstellung – und in vielen anderen Augenblicken Sound-Reisende, die den Klangraum verformen, um ihr Spiel dann in schier unbändiger Energie und Vorstellungskraft zu entladen. Experimentell, packend, wild, schrullig, humorvoll, virtuos: Kosack und ihre beiden Mitstreiter erschaffen ein wunderschönes Monster der Musik. mav

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