Kultur

Klassik Jubel nach Carl Orffs „Carmina Burana“ in Mannheim

Ein Orchester aus Klavieren

So laut wird’s in der Christuskirche selten, selbst wenn beide Orgeln unisono brausen. Carl Orffs „Carmina Burana“ hatte Landeskantor Johannes Michel seinem Bachchor verordnet, und der traditionsreiche Chor stürzte sich spürbar lustvoll in die Welt klösterlicher und profaner Sinnenfreuden, sattelfest in Latein und Mittelhochdeutsch, unterstützt vom Knabenchor Mannheim und dem Unterstufenchor des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums. Obwohl Michel die orchesterfreie Sparversion gewählt hatte, sorgten doch die beiden Klaviere (Atsuko Kinoshita und Rudolf Meister) und vor allem die siebenköpfige Schlagzeugformation Raphael Nick für unglaubliche Phonstärken.

Mit den bunten Blusen und Hemden anstelle des gewohnten Oratorienschwarz hatte sich der Chor auch in die rhythmisch heikle, synkopenreiche Tonsprache gefunden, die zudem den Männerstimmen im zweiten Teil „In taberna“ ungeahnte Parlando-Fertigkeit abverlangt. Hier sei auch die Pianistin Claudia Schwabe, ständige Bachchor-Korrepetitorin, gepriesen, die beim Studium komplizierter Werke stets Wunderdinge vollbringt. Die Klangpracht der großen Chöre „O Fortuna“, „Floret silva“, „Were diu werlt alle min“ (mit einem strahlenden hohen C), „Ave formomissima“ und das explosive „Swaz hie gat umbe“ gelangen ebenso überzeugend wie die sanften Liebeslieder („Chume, chum geselle min“). Im „Cour d’amour“ sekundierten die „ragazzi“ (Knaben) den Solisten aufs Schönste.

Extreme Höhen erklommen

Eine glückliche Hand hat Johannes Michel bei der Auswahl des Vokalterzetts bewiesen. Die Sopranistin Cornelia Winter sang im „Cour d’amour“ bewegend ihre schmelzenden Liebeslieder, erklomm extreme Höhen, wenn auch in „Dulcissime“ nicht ohne Anstrengung. Countertenor Thomas Nauwartat-Schultze sang das tragikomische Lamentoso vom gebratenen Schwan in Tongebung und Körpersprache „sempre ironico“ und erntete dafür lautstarken Jubel.

Längst weiß man in Mannheim und weit darüber hinaus, dass Thomas Berau (Nationaltheater) für die komplexe Baritonpartie der „Carmina“ eine Idealbesetzung ist. Er hat die Kraft für das brillante „Estuans interius“, die komödiantische Ader für den volltrunkenen Abt von Kukanien und die tenoralen Herzenstöne für „Dies, nox et omnia“. Pianisten-Duo und Schlagzeugensemble simulierten unter Michels sicherer Führung ohne nennenswerte Makel ein großes Orchester. Endlose Ovationen des vollbesetzen Hauses, vor allem für Berau und den Chor, als Zugabe erneut „Ave formosissima“.