Kultur

Tanz Ballet Preljocaj beeindruckt Gäste im Pfalzbau mit Märchen

Ein schöner Traum, eine Männerfantasie

Aus den düsteren elektronischen Geräuschen gibt ein Schlagwerk dominant den Rhythmus vor. Dazu schwebt von der Decke ein Schleier, der wie ein Wolkenzug wirkt. Zwei Tänzer bewegen sich kraftvoll auf die Bühnenmitte zu. Einen starken Kontrast bilden ihre Kleider zur dunklen Bühne – helle Hemden mit Kniebundhosen und Hosenträgern mit glitzernden Verschlüssen – lassen sie wie naive Buben in ihrer Volkstracht wirken. Jetzt erst wahrnehmbar, hebt sich ein Vorhang aus Gaze und öffnet die Bühne für drei weitere Tänzer in schwarzen Gewändern mit wallenden Röcken. Sie wirken als sich kraftvoll drehendes Gespann wie priesterliche Tempelwächter.

Fünf Tänzerinnen sitzen in der nächsten Szene auf einem Podest und werfen wie gefährliche Sirenen ihr langes Haar über den Kopf im poppigen Sound. Dann erstarren sie zu einem Tableau. Mit „La Fresque“ bezieht sich der in Frankreich in Aix-en-Provence ansässige Angelin Preljocaj auf ein Wesensmerkmal der Malerei und der Kunst: die Illusion der Bilder. Als Aufhänger dient ihm ein Märchenstoff aus China. Darin sehen zwei junge männliche Figuren in einem Tempel ein Bild, das eine Gruppe junger Mädchenfiguren zeigt. Für einen der beiden Betrachter wird die Darstellung lebendig, entführt ihn in ein erotisches Abenteuer.

Brave Buben

Preljocaj staffiert sein Tanzmärchen mit verführerischen Effekten aus. Mit den Gaze-Vorhängen wechselt er raffiniert die Szenen und projiziert auf sie das Schleier-Motiv, bald Wolke, bald Frauenhaar oder malerische Linie. Gleichzeitig zeigt das Ensemble in den anziehenden Kostümen des tunesischen Modedesigners Azzedine Alaïas hochkarätigen Tanz. Und auch der elektronischen Musik von Nicolas Godin kann sich keiner entziehen. Eines jedoch vergisst der international gefeierte Choreograph: Er bricht die Erzählung nicht auf, zerlegt keinen Mythos – das ewig Weibliche verführt – und verlegt das Geschehen nicht ins 21. Jahrhundert.

Am Ende stehen einmal mehr brave Buben, die ein Frauenbild andächtig betrachten. rah