Kultur

Jazz Eröffnung von „Ditzners Club“ im Hack-Museum

Ein Start mit guter Perspektive

Archivartikel

Imponierender Auftakt einer neuen Konzertreihe um Ludwigshafens Schlagzeug-Ass Erwin Ditzner: So viel Publikum findet sich ein, dass die hörsaalmäßig ansteigenden Sitzplätze der Vortragsecke im Untergeschoß des Hack-Museums nicht annähernd ausreichen. Selbst die zu ebener Erde im rechten Winkel dazu aufgestellten Stuhlreihen sind bis weit nach hinten besetzt. Das schafft mitten im nüchternen Ausstellungs-Ambiente eine beinah heimelige Club-Atmosphäre und verbessert nebenbei auch die Akustik, die ohnehin trotz der Betonwände ringsum erstaunlich gut ist.

Beste Voraussetzungen für ein Jazzprogramm der klassischen Moderne; mit einem Repertoire an Stücken, die in den Jahren um 1960 von Größen wie Miles Davis und Thelonious Monk komponiert oder in deren Interpretationen zu Standards wurden. Neu interpretiert werden sie jetzt von einem regionalen All-Star-Quartett: Trompeter Stephan Zimmermann und Bassist Thomas Stabenow sind Jazz-Professoren der Mannheimer Musikhochschule, während Pianist Paata Demurishvili mit Erwin Ditzner seit längerem die Heidelberger Konzertreihe „Jazz am Neckar“ leitet.

Kluge Arrangements

Obwohl die Vier zuvor erst einmal miteinander aufgetreten waren, wirken sie in Ludwigshafen wie eine eingespielte Gruppe, die jedem Stück mit klugen kleinen Arrangement-Ideen eine eigene Form verleiht. Und ihre Improvisationen sind zwar stilecht im Sinne der Vorbilder, doch keineswegs imitatorisch.

Besonders deutlich wird es bei der gestopften Trompete, auf der heute fast jeder wie Miles Davis klingt. Stephan Zimmermann klingt wie er selber, stahlig kraftvoll und zugleich fähig zu feinsten tonlichen Schattierungen. Paata Demurishvili jagt den Flügel vollfingrig swingend in kaum vorhersagbare Wendungen. Höchst variable Filigranarbeit leistet Thomas Stabenow am Kontrabass, und das gilt erst recht für Erwin Ditzner am Schlagzeug: Er, der einst von der Rockmusik herkam, agiert nun wirklich abseits des in der Bebop-Tradition Üblichen. Dass seine Projekte eine außergewöhnliche musikalische Bandbreite abdecken, wird sich schon beim nächsten Konzert der neuen Reihe erweisen, am 6. September mit den Brüdern Vanecek im Ditzner Twintett. swm

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