Kultur

Schauspiel „Pinocchio“ begeistert im Theater Heidelberg Jung und Alt / Jürgen Popig erarbeitet griffige Bühnenfassung, die lebhafte Inszenierung stammt von Regisseurin Natascha Kalmbach

Ein unruhiges und naives Kerlchen

Einen uralten Mythos hat Carlo Collodi in seinem Märchen „Pinocchio“ aufgegriffen. Wie kann ein Mensch aus Materie geschaffen werden? Aus einer Rippe? Aus Lehm? Oder gar aus Holz, wie es der Schnitzer Gepetto versucht? Dessen Version hat zwar eine etwas lange Nase, ist aber ansonsten ein zwar naives, aber unruhiges Kerlchen. Pinocchio will seine Welt erobern, Neugierde treibt ihn um, doch gerät er an die falschen Freunde. Hört nicht auf seinen Erzeuger und die gute Fee. Aber am Ende sieht er ein, dass Schule besser ist als Reisen ins Traumland, und sein Mitgefühl und mutige Hilfsbereitschaft lassen ihn dann zu einem Jungen aus Fleisch und Blut werden. Ende gut, alles gut.

Schnelle Kostümwechsel

Jürgen Popig hat eine griffige, auch idealistische Bühnenfassung erarbeitet, die Regisseurin Natascha Kalmbach in der offenen Bühnengestaltung von Annette Wolf sehr bewegungsfroh präsentiert.

Hauptdarstellerin Johanna Dähler spielt den Pinocchio als außerordentlich liebenswerten Buben auf dem Selbstfindungstrip. Staunen, Erfahrungen sammeln, falsche von guten Freunden unterscheiden lernen, Vertrauen zu sich selbst erwerben und auch der von oben schwebenden Fee entgegenbringen. Und darüber hinaus noch da sein für andere – auch in der Not.

Von Annette Wolf stammen auch die Kostüme für die vielen Figuren. Fuchs und Kater tummeln sich da ebenso wie Grille, Schulbuben, Kutscher, Maurer und so weiter. Den Akteuren werden schnelle Kostümwechsel abverlangt, aber das klappt prima mit einem so guten Ensemble. Neben der zweiten Hauptfigur Papa Gepetto, den Massoud Baygan anrührend-rustikal spielt, gefallen in verschiedenen Rollen Marcus Krone, Magdalena Wabitsch, Lena Müller und Antonio Ramón Luque. Passgenau fügen sich die Videoeinspielungen etwa vom riesigen Wal-Schlund und die Musik von Dirk Raulf ein.

Die kleinen Zuschauer (geeignet ab sechs Jahren) verfolgten das Geschehen in atemloser Spannung. Am Ende dann sehr herzlicher Beifall. Die Vorweihnachtszeit hat begonnen und „Pinocchio“ wird mit sehr vielen Vorstellungen und theaterpädagogischer Begleitung vorhersehbar zum Renner. 

Zum Thema