Kultur

Museumskonzert Trompeter Simon Höfele und Organistin Amelie Held gastierten in der Bad Mergentheimer Schlosskirche

Ein wahrer Festschmaus auch für verwöhnte Ansprüche

Weitaus mehr Zuhörer hätte das letzte Museumskonzert vor der Sommerpause - dieses Mal ausnahmsweise in der Schlosskirche -verdient, wo sich der junge Trompetenvirtuose Simon Höfele zusammen mit seiner Partnerin, der Organistin Amelie Held in einem ebenso abwechslungsreichen wie anspruchsvollen und künstlerisch hochkarätigen Auftritt präsentierten. Beide gehören mit gerade mal Anfang 20 schon zu den mehrfach ausgezeichneten (Simon Höfele mit mehreren ersten Preisen bei internationalen Wettbewerben) und international konzertierenden Künstlern ihrer Generation.

In einem stilistisch sehr weit gespannten, deutlich über eine Stunde währenden Programm mit Werken vom Barock bis zur Gegenwart sorgten sie - teils als Solisten teils als Duo - für ein streckenweise überwältigendes Klangerlebnis voll ästhetisch erregender wie emotional aufrüttelnder Momente.

Bachs Choralbearbeitung das alten Kirchenlieds "Schmücke dich o liebe Seele" und sein dreisätziges Orgelkonzert d-moll(nach einer Vorlage von Vivaldi) gab Amelie Held als Solistin Gelegenheit, ihre frühreife Meisterschaft und Souveränität zu demonstrieren: Mit wirkungsvoller hell-dunkler Registrierung und einer Haltung meditativer Abgeklärtheit in der Liedbearbeitung zunächst, dann im d-moll Konzert mit einer Mischung als kontrastreicher Lebendigkeit und Durchsichtigkeit im Eingangssatz, einem betont schlicht und intim gehaltenen Largo und einem festlich-triumphalem Klangbild im Allegro-Finale.

Den eigentlichen Anziehungspunkt des Konzerts bildete freilich in der hellen, nur wenig nachhallenden Akustik der Schlosskirche das faszinierende Zusammenwirken der "Königin der Instrumente" mit ihrem unerschöpflichen Farbenspektrum mit dem in seiner Art nicht weniger großen Facettenreichtum der Trompete - sowohl was Phrasierungskunst wie Vielfalt und Intensität des Ausdrucks angeht.

Imposant schon der Einstieg mit Tomasso Albinonis dreisätzigem d-moll Trompetenkonzert, wo Simon Höfele im munteren Eingangssatz mit seinem schlackenlos brillanten und zugleich samtweichen und fülligen Ton aufhorchen ließ. Der goldenen Kantabilität des Adagio folgte ein tänzerisch ausgelassener Schlussatz mit strahlenden Spitzentönen.

Einen wahren Festschmaus auch für verwöhnte Ansprüche servierte das Duo Held-Höfele mit George Enescus 1906 entstandener Komposition "Legende"(ursprünglich für Klavierbegleitung geschrieben), einer Art frei erzählender Fantasie, die von den Interpreten nicht nur größte Virtuosität sondern auch poetische Einfühlsamkeit erfordert.

Simon Höfeles geschmeidige Phrasierung, beredte Artikulation und ungemein reich nuancierte Dynamik gestalteten im Verein mit der fantasievollen Registrierungskunst seiner Partnerin Enescus "Legende" zu einem fast schon märchenhaften Klangerlebnis. Andererseits wurde man auch mit der vergleichsweise harten und sperrigen Tonsprache zeitgenössischer Komponisten konfrontiert - beispielsweise in Gestalt einer Hommage des Japaners Toru Takemitsu an seinen Kollegen Witold Lutoslawski. "Paths"("Pfade")für Solotrompete bot asketische Rezitative in fahlen und grotesken Klangfarben, ständig am Rande des Verstummens zu schweben schienen und in ihrer Verlorenheit besonders eindringlich wirkten. "Okna"("Fenster") des tschechischen Komponisten Petr Eben, das große Finale des Abends, wurde vom Erlebnis farbiger Glasfenster in einer von Marc Chagall gestalteten Kirche in Jerusalem inspiriert: Ein viersätziges, erregendes Monumentalwerk von düster beklemmender Klanggewalt mit Anleihen an alle möglichen Stile und Techniken, bei dem sich aus wuchtigen Clustern und ostinaten Rhythmen der Orgel harte und grelle Trompeten-Alarmsignale herausschälen.

Die Mehrzahl der Zuhörer dürfte sich freilich von dem vorangehenden, viel konventionelleren, dabei wunderschönen und ergreifenden "Adagio religioso" von Oskar Böhme mit seinen inbrünstigen, glockenhellen Kantilenen stärker angesprochen gefühlt haben.

Für den minutenlangen Schlussbeifall in der Schlosskirche bedankte sich das Duo Amelie Held - Simon Höfele mit einer Wiederholung des langsamen Satzes aus dem Albinonikonzert. Thomas Hess