Kultur

Bachtage Bachchor Würzburg, die Münchner Bachsolisten und das Vokalsolistenquartett begeisterten

Eine Aufführung wie aus einem Guss

Mit Johann Sebastian Bachs Messe h-Moll BWV 232 gelang dem Bachchor Würzburg, den Münchner Bachsolisten und dem erlesenen Vokalsolistenquartett eine Aufführung wie aus einem Guss.

Dirigent Matthias Querbach konnte sich auf ein Ensemble verlassen, das gleichsam mit Fingerspitzengefühl seinen Anweisungen Folge leistete. Von dieser Darbietung in der St. Johanniskirche nahm man bemerkenswerte Eindrücke mit nach Hause.

Schwebend locker geführte Passagen standen neben markant gezeichneten Ausdrucksebenen, wobei keine dynamischen Übersteuerungen das musikalische Geschehen empfindlich störten und im Gegensatz dazu keine unterbelichteten Empfindungen die komponierten Worte dieser Messe missachteten.

Bach hat als überzeugter Lutheraner den Ablauf der katholischen Messliturgie in dieser konzertanten Form vertont.

Schier endlos lange zieht sich die Komposition vom Kyrie, Gloria bis zum Credo dahin. Erst das Sanctus, Benedictus und das Agnus Dei schreiten dann ziemlich flott dahin. Querbachs Temponahmen fielen nicht aus dem Rahmen, stimmig und homogen erlebte man den Chor.

Nur gegen Schluss des Credo schlichen sich kleine Ermüdungserscheinungen ein, die dem Gesamteindruck jedoch kaum geschadet haben. Die Länge dieser Messe lässt keinen Raum für die Wiedergabe in einer Liturgie der evangelischen Kirche zu, zumal eine lateinische Messe in diesem Umfang im evangelischen Gottesdienst undenkbar gewesen wäre.

Immerhin hat Bach mit diesem Werk umfassend dokumentiert, welche außerordentlichen kompositorischen Fähigkeiten er zur Tonsprache und Tonkunst gebracht hat.

Wohltuend schön

Mit dem Bachchor präsentierte sich ein elastischer und stimmtechnisch überlegener Chor, der hellwach nicht nur auf Perfektion, sondern auch auf die erforderliche Artikulation bedacht war.

Es vereinigten sich ein durchsichtiger Klang und eine Legato-Intensität, wenn man nur an die ruhig geführten Abschnitte des Kyrie zurückdenkt. Wohltuend schön gestalteten die Solisten auf der Violine, der Flöte, der Oboe und dem Horn das wechselseitige Zusammenwirken mit den Gesangssolisten in den eingestreuten Arien und Duetten. Wunderbar aufeinander abgestimmt im Wohlklang in den Kehlen und mit dezenter Ausdrucksintensität erlebten wir mit Julia Sophie Wagner, Sopran, Nicole Pieper, Alt, Christian Rathgeber, Tenor und Martin Schicketanz, Bass, eine Sänger-Riege, die sich gut in das ganze Musizieren eingefügt hatte, weitgehend hell timbriert und ohne gefühlige Drücker.

Die melodischen Linien erwachten mit geschmeidiger Prägnanz und sensibler Hingabe, und die Streichergruppe entwickelte ein ungewohnt warmes Timbre.

Die konzertante Ebene der Musik – auch in den koloraturenreichen Jubelsätzen – kam hervorragend zur Geltung. Die Partitur jener großartigen Messe setzte Querbach angemessen um, nirgends überakzentuiert, sondern transparent und ausgewogen in Folge.