Kultur

Literatur regional Laura Adrian aus Lorsch schreibt über „Amok“

Eine Chronik angespannter Nerven

Es ist ein Tag wie jeder andere. Die Schülerin Mona Neumann macht sich nach dem Unterricht auf den Weg ins Einkaufscenter. Für ein Date mit einem Jungen, in den sie verliebt ist, will sie sich ein neues Kleid kaufen. Der Student Julian Lortz braucht Geld, um sich sein Studium zu finanzieren. Es ist sein erster Tag im Einkaufszentrum, wo er als Aushilfskraft im Sicherheitsdienst jobbt. Vermittelt hat ihm die Stelle sein Freund Domenik, der schon seit vier Monaten hier angestellt ist. Chef Alexander Volkmer, der Sicherheitsbeauftragte des Einkaufscenters, macht Pause, trinkt Kaffee und hängt trüben Gedanken nach.

Dann ist noch die Verkäuferin Ruth Schönbau da, die sich auf den Feierabend freut, ihr Sohn aus Berlin kommt zu Besuch, und Tim Weber: Seine Nerven sind besonders angespannt, weil er Großes vorhat. All diese Personen werden in Laura Adrians Roman „Amok – gefangen im Einkaufscenter“ auf überraschende Weise in eine dramatische Geiselnahme verwickelt. Danach ist für sie nichts mehr, wie es war.

Befreiung durch Gewaltakt

Aus unterschiedlicher Sicht führt die 28-jährige Autorin aus Lorsch die atemberaubenden Ereignisse dieser Geiselnahme vor Augen und schildert, wie sich Menschen in Ausnahmesituationen verhalten. Und am Beispiel Tim Webers zeichnet sie das Bild eines Jugendlichen, der nur Demütigungen und Ausgrenzung erfahren hat, die Verletzungen in sich begräbt, bis sich seine gequälte Seele mit einem Gewaltakt befreit.

Facettenreiche Tiefe in den Roman bringen jene eingeschobenen Episoden, die den Internet-Chat Tims mit einem anonymen Schreiber, der sich „Kaffeejunkie“ nennt, wiedergeben. Tim verfällt seiner unheilvollen Beeinflussung und merkt erst spät, dass der Unbekannte ihn für seinen eigenen Rachezug missbraucht. Insgesamt hat Laura Adrian bisher neun Bücher veröffentlicht. Eindrücklich setzt sie sich darin mit ihrer eigenen Biografie und ihrer Borderline-Erkrankung auseinander.

Dies ist ihr erster Thriller Er lebt von einer faszinierenden Spannung – hier die zu Tode erschrockenen Geiseln, dort überraschende Wendungen in Bezug zum Geiselnehmer. Er lebt aber auch von der Frische und Eigenständigkeit der Sprache.

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