Kultur

Toscano-Fotos

Eine ergreifende Oper über den Tod

Ludwigshafen.„Der Kaiser von Atlantis“ ist eine Kammeroper, die der österreichische Komponist Viktor Ullmann zusammen mit Peter Kien  (Libretto) zwischen 1943 und 1944 geschaffen hat. In diesem Werk geht es um den Tod, der in dem surreal anmutenden Kontext wie ein Erlöser erscheint. Bei der Rezeption dieses Stückes kommt allerdings ein besonderer Umstand in Betracht, denn der Tod gehörte für die beiden Verfasser zum Alltag. Das Stück entstand im Ghetto Theresienstadt, wo beide Autoren von den Schergen der Hitler-Barbarei gefangen gehalten wurden. 1944 wurden sie im KZ Auschwitz ermordet. Die Texte und Partituren des Stückes gelangten glücklicherweise nach außen und so überlebte die Schöpfung. 1975, über 30 Jahre nach der Entstehung, wurde „Der Kaiser von Atlantis“ in Amsterdam uraufgeführt.

Diese packenden Texte und ihre Geschichte bildeten den Hintergrund für die Neuinszenierung des  Werks durch die Kooperation der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, des Pfalztheaters Kaiserslautern und des Opernstudios Kaiserslautern-Mannheim. In Ludwigshafen wurde als Spielstätte für insgesamt vier Aufführungen die Renus Lagerhalle (Halle 6) in der Ludwigshafener Rheinallee 2a gewählt. Direkt am Luitpoldhafen gelegen vermittelte das Ambiente der Halle mit ihren schmutzigen Wänden und den ramponierten Pfeilern einen Eindruck von dem Entstehungsort, wie er authentischer kaum sein könnte.

Der Raum verstärkt das Präsens

Der Ludwigshafener Verein „Stolpersteine“, der sogenannte Stolpersteine vor den Häusern, in denen von den Nationalsozialisten ermordete Menschen ihre letzte, frei gewählte Wohnstätten hatten, verlegt, hatte zu dieser Aufführung den Fotografen Luigi Toscano eingeladen. Über Toscanos Monumentalfotografien von Überlebenden der Massenvernichtung wurde in unserer Zeitung schon wiederholt berichtet. Aber wie nirgends sonst wirkten seine eindrucksvollen Großformate in dieser ehemaligen Lagerhalle vor den roh gezimmerten Holzgerüsten im Zuschauerraum besonders intensiv. Toscano hat überall auf der Welt Menschen aufgesucht, die den Schrecken der KZs überlebt hatten und hat sie interviewt. Er hat auf diese Weise den Menschen, die hinter den Megatoten des Holocaust unfassbar sind, ein Gesicht gegeben, eine Individualität, wie der Verein „Stolpersteine“ mit seinen Aktionen, eine Wohnstätte rekonstruiert, wo diese Menschen die letzte relativ freie Phase ihres Lebens verbrachten, bevor sie von den Henkersknechten des NS-Regimes endgültig ihrer Würde beraubt wurden.

Schwerpunktmüßig hat sich Toscano bei seiner Auswahl auf Personen bezogen, deren Biographie Bezüge zu unserer Region aufweist, so zum Lager in Sandhofen, wo einige der Porträtierten interniert waren. Sie mussten unter unmenschlichen Bedingungen Arbeitsdienst im nahen Mercedes-Werk leisten.

Die letzte Aufführung (Karten leider bereits ausverkauft) des Stückes in Ludwigshafen, wo auch die Arbeiten Luigi Toscanos zu sehen sind, findet am Dienstag, den 4. Dezember, statt. Im Januar 2019 nimmt das Pfalztheater Kaiserslautern das Stück in sein Programm auf.