Kultur

Altes Schauspielhaus Manfred Langner und Ulf Dietrich verabschieden sich mit dem Marilyn-Monroe-Stück „Bye bye, Baby“ von Stuttgart

Eine Kunstfigur, die nicht erwachsen werden darf

Zum Ende der Saison verlassen sie beide die Stadt nach neun Jahren. Manfred Langner war Intendant der Schauspielbühnen in Stuttgart und wechselt in gleicher Funktion ans Theater Trier. Ulf Dietrich war Oberspielleiter an den Häusern und wird nun freiberuflich tätig sein. Zum Abschied stellen sie eine gemeinsam verfasste Arbeit vor: „Bye bye, Baby“, ein Marilyn-Monroe-Stück, das im Alten Schauspielhaus in Stuttgart, in der Inszenierung von Ulf Dietrich, uraufgeführt, wurde.

Zu Beginn der rund zweieinhalbstündigen Uraufführung steht Regina Giesbertz vor einem schwarzen Vorhang auf der Bühne und haucht ins Mikrofon: „Happy birthday to you, Mr. President“. Dann wird verkündet: „Die folgende Geschichte ist fiktiv“. Der Vorhang öffnet sich und man sieht in einem „wirklich sehr spartanisch“ eingerichteten Zimmer, wie das später der Produzent Lee Wallace treffend bemerkt, einen Techniker bei der Reparatur, besser gesagt, bei der Manipulation des Telefons, denn „MM“ wird abgehört, wie sich später herausstellt. Danach treten die unter einem weißen Morgenmantel lediglich mit einem Unterhemd bekleidete Marilyn Monroe und die anderen Personen der Handlung auf, die alle andere Namen als ihre historischen Vorbilder tragen.

Dr. Alf Bernstein (Ernst Wilhelm Lenik) wird als der „MM“ behandelnde Psychiater vorgestellt, den eine Beziehung mit seiner Patientin verbindet, die er mit Medikamenten vollpumpt. Olive Burton (Heike Schmidt) ist die vielleicht mit ihm unter einer Decke steckende Haushälterin, die die Monroe an diesem Tag entlassen will. Als etwas zwielichtige Freundin des Stars tritt Pam Prescout (Judith Guntermann) auf. Bobby (Harald Pilar von Pilchau) heißt der vermeintliche Freund, der die angeblich schwangere Marilyn zur Abtreibung zwingen will. Und dann gibt es da noch den Produzenten Lee Wallace und den Fotografen Richard Barryman (beide: Axel Weidemann). Erzählt werden, fast wie in einem Krimi, die Ereignisse in den letzten 24 Stunden im Leben der Marilyn Monroe. Da das Ganze als Schauspiel mit Musik firmiert, kommt auch diese nicht zu kurz.

Ohne den Versuch zu unternehmen, sie zu imitieren, spielt Regina Gisbertz die Marilyn. Dass die Kostüme stimmen, dafür ist, wie auch für das sparsame, mit wenigen Möbel- und Versatzstücken auskommende Bühnenbild, Martina Lebert verantwortlich. Dass die Bewegungen täuschend denen das Vorbilds ähneln, wie sie einem im Gedächtnis geblieben sind, das ist ebenso dem schauspielerischen Können der Darstellerin zu verdanken, die gekonnt und mit Ausstrahlung, Marilyn als „eine Kunstfigur, die nicht erwachsen werden darf“ skizziert. Und das erklärt auch, dass sie sich vom Klischee des Sexobjekts lösen und dem goldenen Käfig entkommen will. Als theatralischer Beitrag zum Mythos „MM“ hat diese Uraufführung ihren Wert. Dieter Schnabel