Kultur

Kabarett Liza Kos im Mannheimer Schatzkistl

Eine Russin integriert sich

Sie spricht deutsch ohne Akzent: „Will ich aber nicht“, sagt Liza Kos und bleibt bei ihrem russischen Kehle kratzenden H. Sie lacht gern: „das erfordert Kraft – hab ich nicht“, meint sie und zeigt sich eher zurückhaltend ernst. Doch gerade hinter dieser trockenen lakonischen Art versteckt die Kabarettistin eine Komik, die immer wieder zum Lachen, manchmal auch zum Denken reizt. Im Mannheimer Schatzkistl erheiterte die aus Moskau stammende und seit über 20 Jahren in Aachen lebende Elizaveta Kostyuk, kurz Liza Kos, mit ihrem Selbsterkennungsprogramm kleiner Lebensgeschichten und kurzer Nonsens-Lieder.

Zwischen den Kulturen

„Was glaub ich, wer ich bin“, hat sich die gelernte Gestaltungstechnikerin gefragt und dabei drei Seelen, ach, in ihrer Brust entdeckt: die melancholische russische, die sie tief in sich trägt, die unterwürfige türkische, die sie durch ihren ersten Ehemann inhalierte, und die emanzipierte deutsche, die ihr zweiter Ehemann Rainer und die Aachener Karnevalsgesellschaft prägte. Überzeugend schlüpft sie in die drei Rollen und nimmt augenzwinkernd die Alltagsprobleme zwischen den Kulturen aufs Korn. Vor allem wehrt sie sich gegen Klischees und Vorurteile: Russinnen sind Nutten, tragen weiße Stiefelchen und Minirock, Russen sind hart und kalt wie ihr Land und spielen mit Kalaschnikow. Türkinnen tragen Kopftuch und gehorchen dem Mann, die deutschen Männer sparen und trennen den Müll.

Liza Kos hat sich integriert – ohne Doping und Wodka – und spielt bewusst mit den Tücken der deutschen Sprache, macht aus integriert intigriert, aus schlagfertig schlachtfertig, aus orthodox paradox, aus silikon semikolon – und das Publikum lacht. Nach der Pause des Abends schien alles gesagt: Jetzt darf das russische rollende R gelernt und die Erkenntnis bekräftigt werden, dass Adam und Eva zusammengehören: „Du bist Adam und ich die Rippe“, sang die Kabarettistin zu ihrer ebenfalls integrierten Balalaika (Gitarre) und bewies bei der Zugabe mit ihrer zart schwingenden Stimme, dass sie eine perfekte Jazzsängerin ist.