Kultur

Kunst Der amerikanisch-nigerianische Documenta-Künstler Olu Oguibe verhandelt in Kassel über den Verbleib seines Obelisken

Eine Säule thematisiert die Flucht

Er werde am Mittwoch Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) treffen und sich seine Argumente anhören, sagte der nigerianisch-amerikanische Künstler bereits am Dienstag in Kassel gelassen aber selbstbewusst. Dort besuchte er im Vorfeld der gestrigen Zusammenkunft mit dem Kasseler Stadtoberhaupt ein öffentliches Treffen von Kunstschaffenden und Bürgern in der Innenstadt.

Mehr als 100 Menschen demonstrierten dort mit einem Picknick für die Freiheit der Kunst und Kultur – und im Besonderen auch für den Erhalt des Obelisken.

Verhandlungen ziehen sich hin

Die Steinsäule, die sich mit dem Thema Flucht beschäftigt, ist ein umstrittenes Kunstwerk der vergangenen documenta. Die Stadt will es seit längerem ankaufen. Die Verhandlungen ziehen sich aber seit Monaten hin und scheiterten zuletzt an der Standortfrage. Olu Oguibe hatte lange Zeit betont, dass sein Kunstwerk auf dem Königsplatz in der Innenstadt bleiben soll. Doch die Stadt lehnt das ab und will das Kunstwerk vor das künftige Documenta-Institut verlegen, das allerdings noch gar nicht gebaut ist.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und der documenta-Künstler Olu Oguibe haben sich nun gestern persönlich über die Zukunft des Obelisken ausgetauscht.

„Beide Seiten sprachen im Anschluss von einem guten Gespräch“, berichtete die Pressestelle der Stadt gestern. Nun werde an einer gemeinsamen Lösung gearbeitet.

Erst dann wollten der Künstler und die nordhessische Stadt das vorläufige Gesprächsergebnis kommunizieren. Bis dahin werde es keine weiteren Informationen geben, sagte Kassels Stadtsprecher Claas Michaelis.

Erfolgreiche Spendenaktion

Die Stadt will den für die Documenta im Jahr 2017 geschaffenen Obelisken, eine 16 Meter hohe Säule, ankaufen. Bei einer Spendenaktion waren 126 000 Euro für den Ankauf gesammelt worden.

Obwohl das ursprüngliche Ziel der Kunstfreunde, 600 000 Euro zu sammeln, nicht erreicht wurde, hatte Olu Oguibe sich dennoch bereit erklärt, der Stadt das Werk zu überlassen – eine Einigung in der Standortfrage vorausgesetzt.

Und genau an dieser Klausel scheiden sich seit Monaten die Geister. Weiteres werde nun nach dem Gespräch mit dem Stadtparlament verhandelt. dpa/rcl