Kultur

Debut Konstantin Heuer hat für den Klassik-Gesangswettbewerb ein Lied komponiert

„Eine tolle Gelegenheit“

Wie vergleicht man alle jungen Stimmen des Opernsängernachwuchses am besten? Man lässt sie alle dasselbe Lied singen. Ein bisschen mag dieser Gedanke mitgespielt haben, als die Organisatoren des internationalen Klassik-Gesangswettbewerbs „Debut 2018“ ihre neunte Ausgabe geplant haben. Außerdem wird diesmal der Kunstform Lied als integraler Bestandteil der Gesangsausbildung ein höherer Stellenwert als bisher eingeräumt. Wenn am 23. September die Wettbewerbswoche des internationalen Sängerwettstreits in Weikersheim und Bad Mergentheim startet, liegt auf dem Pult der Teilnehmer ein zeitgenössisches Lied eines Komponisten, der aus derselben Altersklasse kommt: Konstantin Heuer.

Der 29-Jährige hat seinerseits mit dem Gaudeamuspreis einen wichtigen Wettbewerb für junge Komponisten gewonnen. Das hat die künstlerische Leiterin von „Debut“, Clarry Bartha, auf ihn aufmerksam gemacht. Es entstand die Idee, eines „Wettbewerb-Liedes“. Der junge Komponist vertonte mit seinem Stück „Über uns beide“ eigens für „Debut“ das Gedicht „Die Liebe“ aus dem erstmals 1905 veröffentlichten Gedichtband „Der siebente Tag“ von Else Lasker-Schüler. Ab dem Semifinale muss es von jedem Sänger vorgetragen werden.

Spielräume eröffnen

„Es ist durchaus der Normalfall, dass Kompositionen in einem bestimmten Rahmen in Auftrag gegeben werden und deshalb gewissen Anforderungen genügen müssen. Für den Wettbewerb „Debut“ war die Anforderung, ein Repertoire-Stück zu schreiben, das von jeder ausgebildeten Stimme gesungen werden kann. Das war für mich eine spannende Aufgabe“, meint der gebürtige Leipziger. Besonders liege ihm am Herzen, beim Komponieren interpretatorische Spielräume zu eröffnen.

Bei der Wahl des Textes ist Heuer sehr gewissenhaft vorgegangen. „Auf meinem Schreibtisch steht immer eine Reihe von Gedichtbänden, und ich habe eine Liste von Texten und Autoren im Kopf, die mich reizen. Für diesen Wettbewerb bin ich tatsächlich Else Lasker-Schülers komplettes lyrisches Schaffen durchgegangen, um einen Text zu finden, der originell, ausdrucksstark, mehrdimensional, aber gleichzeitig auch leicht zugänglich ist, der also für ein alleinstehendes Repertoirestück für einen Gesangswettbewerb am besten geeignet ist.“

Wer sich für den Wettbewerb anmeldet, konnte sich auf der Webseite http://www.debut.de/ Text und Noten des Liedes, zu dem Heuer auch einen Orchestersatz arrangiert hat, herunterladen.

Musik erst durch Gesang

Die Chance, sich als Komponist bei „Debut“ zu präsentieren, sei für ihn etwas ganz Besonderes: „Eine tolle Gelegenheit zu zeigen, dass man einen allgemeinen Notentext, der mehrfach unterschiedlich interpretierbar ist und an dem sich die Qualität von Sängern messen lassen kann, in einer sehr persönlichen, emotionalen und intimen Weise verfassen kann.“

Natürlich stehe am Ende eines Kompositionsauftrages immer die Partitur, mit der ein Job quasi erledigt ist. „Wir Komponisten sind dann sehr davon abhängig, was die Interpreten aus unseren Vorgaben machen. Denn Musik ist das Lied erst dann, wenn es gesungen wird“, erklärt der einstige Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Umso spannender also für ihn, wie gleich so viele Stimmen seine Musik erklingen lassen.

Anwesenheit ist Ehrensache

Natürlich kommt Heuer auch selbst in die tauber-fränkische Region zum Wettbewerb: Zur Matinée am Sonntag, 16. September, um 11 Uhr, sitzt er zusammen mit Enrico Calesso, Generalmusikdirektor Mainfranken Theater Würzburg, auf dem Podium im kleinen Kursaal in Bad Mergentheim, wenn es um das Thema „Gesang! Gestern – Heute – Morgen“ geht.

Und während der gesamten Wettbewerbswoche wird Heuer ebenfalls anwesend sein und gespannt lauschen, wie die unterschiedlichen Stimmen sein Lied und andere interpretieren.