Kultur

Kunsthalle Vogelmann Heilbronn Werke von Mathilde Vollmoeller und Käte Schaller-Härlin noch bis 21. Oktober zu sehen

Eine Werksschau, die längst überfällig ist

Zwei Frauen, eine Ausstellung: die Heilbronner Kunsthalle Vogelmann präsentiert Mathilde Vollmoeller-Purrmann (1876 bis 1943) und Käte Schaller-Härlin (1877 bis 1973) in einer Werkschau, die längst überfällig ist. Fast gleich alt, haben sie zu einer Zeit als Malerinnen Karriere gemacht, in der Frauen keinen Zugang zu Kunstakademien hatten. Umso interessanter, wie sie sich einen Zugang zur Männerdomäne verschafft haben.

„Halb Frau, halb Künstlerin…“, so der Ausstellungstitel, beruft sich auf ein Zitat von Käte Härlin: „Ich bin viel zu leidenschaftlich bei meiner Kunst und was wäre einem Mann eine solche Frau?

Eine Enttäuschung, und halb Frau und halb Künstlerin sein halte ich für unmöglich“, hatte die 33-Jährige 1910 in ihr Tagebuch notiert. Ein Jahr später heiratet sie den Stuttgarter Kunsthistoriker und -händler Hans Otto Schaller. 1913 wird eine Tochter geboren, 1917 fällt ihr Mann im Ersten Weltkrieg.

Alleinerziehend lebt die Malerin, von Aufträgen. Ihr Werk umfasst Illustrationen, Karikaturen, sakrale Malerei, Porträts, Stillleben und Land–schaften, die zu Beginn ihres Schaffens an den Jugendstil anknüpfen. Ihr „Selbstportrait mit Pinsel und Palette“, Öl auf Karton aus dem Jahr 1923, , ist ein über allen Selbst–zweifel erhabenes Dokument der Künstlerin.

Im Zentrum der ersten Etage ist die „Schwäbische Mona Lisa“, wie das Werk auch genannt wird, das Herzstück der Ausstellung.

Während in diesem Stockwerk ausschließlich Arbeiten von Käte Schaller-Härlin zu sehen sind, die die Vernetzung der Künstlerin, vornehmlich mit Politikern und Bankern zeigt, werden im Erdgeschoss Anfänge und künstlerischer Durchbruch beider Künstlerinnen gegenübergestellt. Stilistisch ist Vollmoeller der französischen Avantgarde, namentlich Cézanne (1839 bis 1906) sehr nah.

Zeitsensible Künstler

Eine Cézanne-Retrospektive sorgte 1907 für Aufsehen und zog zeitsensible Künstler wie die Vollmoeller oder Rilke magisch an. Paris war das Mekka der Moderne. Die Vollmoeller stammte aus einer Stuttgarter Unternehmerfamilie. Ihr Vater besaß eines der größten deutschen und europäischen Textilunternehmen und gehörte zu den Pionieren einer sozialen Marktwirtschaft. Sie hatte in Berlin bei renommierten Künstlern der Berliner Secession – Sabine Lepsius und Leo von König – Privatunterricht genommen. 1906 geht sie nach Paris, mietet ein Atelier und startet durch.

Mit überwältigendem Erfolg: „Der Reichtum, den Fräulein Vollmoeller auf ihren Bildern zu konzentrieren weiß, hebt sie weit hinaus über das, was sonst von deutschen Künstlern hier ausgestellt wird“, schreibt die Pariser Zeitung am 20. Mai 1911 über eine Werkschau im Salon des Indépendants. Zweimal kreuzten sich ihre Wege: um 1909 an der Pariser Académie Matisse und 1914 im Stuttgarter Kunsthaus Schaller.

Im Übrigen frequentieren Härlin wie Vollmoeller die Kunstmetropolen München, Berlin, Paris, Rom und Florenz.

Die Ausstellung verkürzt die Perspektive auf Baden-Württemberg.

Das tut zumindest Mathilde Vollmoeller-Purrmann unrecht – warum erfährt man das in der Ausstellung nicht, dass sich ihr „Stillleben mit Früchten“ (1906/07) im Besitz des San Francisco Museum of Modern Art befindet?

Die Werkschau zeigt rund 90 Exponate, Gemälde und Aquarelle sowie, in Vitrinen, Dokumente zur Lebensgeschichte dieser bemerkenswerten Künstlerinnen des letzten Jahrhunderts.

Auch wenn jede eine eigene Ausstellung wert gewesen wäre, und es schade ist, dass beide quasi in einem Aufwasch erledigt werden, ist die Ausstellung einen Besuch wert.