Kultur

Burgfestspiele Jagsthausen „Die drei Musketiere“ von Axel Schneider aufgeführt

Einer für alle, alle für einen

Archivartikel

1985 standen „Die drei Musketiere“ zum ersten Mal auf dem Spielplan der Burgfestspiele Jagsthausen. In den zwei folgenden Jahren wurde diese Inszenierung von Christian Quadflieg in der Fassung des einstigen Gerhart-Hauptmann-Preisträers Theodor Schübel, wieder aufgenommen. Jetzt ist im Hof der Götzenburg eine Bühnenfassung des Intendanten Axel Schneider zu sehen, der selbst Regie führt und auch die Bühnenbildidee liefert.

Historischer Roman

Ursprünglich war es ein historischer Roman, den Alexandre Dumas pére in Zusammenarbeit mit Adrian Maquet in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts geschrieben und den er durch immer wieder neue Fortsetzungen verlängert hatte, die in der Zeitschrift „Le Siécle“ veröffentlicht wurden. König Ludwig XIII. und sein leitender Minister, Kardinal Richelieu, treten in dem im 17. Jahrhundert spielenden Geschehen ebenso auf wie die Königin Anna von Österreich, eine spanische Prinzessin, die den französischen König als Kind heiratete, später die Mutter des sogenannten „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. und Regentin wurde, der Herzog von Buckingham, dem eine Verbindung mit der Königin nachgesagt wird, eine Lady Winter und eine Madame Bonacieux.

Die Hauptrollen in dem Spektakel, in dem geliebt, gelitten, gekämpft, gefochten, gefoltert, gemordet und intrigiert wird, spielen aber die drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis sowie der vom Bauernburschen zum Musketier avancierte D’Artagnan.

Zum einen erzählt Alexandre Dumas pére die Geschichte der Abenteuer der drei Musketiere, zum anderen zeichnet er, wenn auch mit dichterischer Freiheit, ein Bild von den politischen Verhältnissen während der Regierungszeit von Ludwig XIII., in der im Grunde Kardinal Richelieu das Sagen hatte.

Rivalitäten

Dabei spielen die Rivalitäten zwischen den Musketieren und den Gardisten des Kardinals eine nicht unerhebliche Rolle für die Dramaturgie des Theaterstücks, in dem Axel Schneider die wesentlichen Passagen des Romans auf die Bühne bringt.

In Hintergrund steht die Götzenburg, deren Wehrgang auch einmal und deren Torbogen mehrmals genutzt werden. Rechts und links sind meterhohe, schwarze spanische Wände aufgebaut. Von dort fahren immer wieder zwei kleine, schwarze Podeste, von rechts nach links und umgekehrt, in die Mitte der Szenerie. Ein ein- oder zweimal gesehener noch origineller Einfall, der aber im Lauf der rund zweieinviertelstündigen Vorstellung zum wesentlichen Element der „Bühnenbildidee und so zu Tode geritten wird.

Auf diesen Podesten sieht man allerlei Requisiten, wie etwa einen Kamin oder eine Badewanne. Da stehen und agieren aber auch zuweilen die Personen der Handlung, wenn sie sich nicht auf dem Boden vor dem Torbogen begegnen und dort – wo auch immer wieder in einer gekonnten Kampfchoreographie von Malcolm Ranson gefochten wird – miteinander, in einer höfischen Choreographie von Sven Niemeyer, tanzen oder miteinander ringen. Vor manchmal etwas komisch wirkenden Deutlichkeiten im Umgang der von Volker Deutschmann im Stil der damaligen Zeit gekleideten Darsteller untereinander schreckt der Regisseur Axel Schneider nicht zurück.

Glaubhaft als Vertreter ihres Standes und engagiert für die von ihnen vertretene Idee „Einer für alle, alle für einen“ agieren Sebastian Smulders – der auch noch in einem mit dem Union Jack geschmückten T-Shirt als Buckingham auftritt – als Athos, Achmed Ole Bielfeldt als Porthos und David Wehle als Aramis, der sich kurz einmal seiner Vergangenheit als Geistlicher erinnert.

Mehrere Rollen

Einen mit allen Wassern gewaschenen Hansdampf in allen Gassen gibt Mats Kampen als D’Artagnan. Die übrigen acht Ensemblemitglieder treten alle in mehreren Rollen auf. Dazu kommen noch neun Statisten. Frank Watzka ist ein etwas trotteliger König, Melissa Holley eine attraktive Königin, Valerija Laubach eine gerissene Lady de Winter. Einen eher männlich-vitalen als intellektuellen Kardinal Richelieu, der keine Intrigen mag, die er nicht selbst angezettelt hat, stellt Franz-Joseph Dieken in den Burghof. Sexy zeichnet Luisa Meloni die hübsche Constance. Einen direkt zupackenden Rochefort, der auch durch seine Sprechkultur auffällt, verkörpert Felix Franken. Rüdiger Hellmann profiliert sich als Bonacieux, Maties Lavall als Jussac.