Kultur

Palatia Jazz II NoJazz stellt neue CD vor

Eingängige Rhythmen

Archivartikel

2002 standen ihre CDs in fast allen Plattenläden. Denn was die Musik der Franzosen von NoJazz seither so attraktiv macht, war ihre Tanzbarkeit. Man kann ihre Stilistik Hip-Hop oder Dub nennen und in ihren Improvisationen sind natürlich starke Jazzelemente zu hören. Doch im Wesentlichen steht NoJazz für gut gemachten Funk.

Bei Palatia Jazz in der Klosterruine Limburg bei Bad Dürkheim gastiert das Quintett mit Philippe Sellam und Philippe Balatier an Saxofon und Keyboards, Trompeter Alexandre Herichon, Pascal Reva an Schlagzeug und Gitarre sowie dem Sänger Jeffrey Mpondo. Obwohl der Besucher annehmen könnte, dass NoJazz in gewisser Weise als Aufwärm-Band für die kultigen Künstler von Incognito auf der Bühne stehen, haben sich die fünf Musiker selbstbewusst ihr eigenes Renommee erspielt.

Stevie Wonder wirkte mit

Ohne Bassist, jedoch mit Balatier, dem technikbegeisterten Keyboarder, Schlagzeuger Reva und Philippe Sellam am Altsaxofon erzeugt das Quintett von der ersten Note an einen derartigen Druck, dass viele im Publikum bereits beim ersten Stück nicht sitzen bleiben können. Erfolglos geben die Securityleute ihre Versuche, den Platz vor der Bühne von Tänzern freizuhalten, dann auch rasch auf.

Obwohl sich ihr Auftritt als CD-Release bezeichnet und auch Pop-Ikone Stevie Wonder an ihr beteiligt war, hält sich die Band bei ihrem Livekonzert nicht streng an die Stückeliste ihrer aktuellen CD „Soul Stimulation“. Auch alte Kompositionen aus vorangegangenen Produktionen, wie das schnelle Stück „Jungle-out“, sind in aufpolierter Version im Repertoire. Von den rhythmisch-pumpenden Beats einmal abgesehen, sind es vor allem die Improvisationen des gebürtigen Algeriers Philippe Sellam, die mit ihren Melodielinien begeistern.

Lyrische Chorusse

Selbst in den Stücken mit schweren Funk-Rhythmen fügt Sellam mit seinen lyrischen Chorussen ein wunderbares Kontrastprogramm hinzu. Trompeter Herichon aus dem nordfranzösischen Lille hingegen bläst seine Soli teilweise so energiegeladen, als wollte er Gläser zum Zerspringen bringen.

Auch wenn NoJazz noch keine so lange Bandgeschichte vorzuweisen haben wie beispielsweise Incognito, deren Mitglieder im Anschluss die Bühne erobern, haben auch die Musiker von NoJazz inzwischen einen gewissen Kultstatus. Mit ihrer Stilistik, der Mischung aus tanzbarem Funk mit herrlich jazzigen Improvisationseinlagen sind sie ein absoluter Höhepunkt auf jedem Musikfestival.