Kultur

Klassik „Werkstatt Lied“ mit Bekanntem und Neuem

Einheit in Gegensätzen

Archivartikel

Ein Auszug aus dem Programm: Christopher Scheuer (geboren 1987), Franz Schubert, Jonathan Schmieding (geboren 1994), Johannes Brahms – die Messlatte für die jungen Kompositionsstudierenden von Sydney Corbett könnte höher nicht liegen. Beim Konzert „Werkstatt Lied“ in den Reiss-Engelhorn-Museen müssen sie neben Großmeistern der Liedkunst bestehen. Für die Texte gilt das genauso: Da stehen sich Goethe, Eichendorff und die AG Neue Musik am Leininger Gymnasium Grünstadt gegenüber, also die Gedichte von Schülern den Größen der Weltliteratur.

Ähnliche Emotionen

Was eigentlich nicht funktionieren kann, klappte ziemlich gut: das Nebeneinander von Alt und Neu, oft auch die unmittelbare Verschränkung der beiden so unterschiedlichen Text- und Musik-Ebenen. Manchmal wirkte das wie die Übersetzung eines mehr als 200 Jahre alten Gedichts in eine andere Epoche. Wobei im Laufe des Abends immer deutlicher wurde: Die Musiksprachen sind zwar sehr unterschiedlich, die in den Liedern verarbeiteten Emotionen aber sind gar nicht so weit voneinander entfernt.

Oder aber Neu und Alt bilden einen bewussten Gegensatz: Robert Schumanns „Mondnacht“, dieser Inbegriff romantischer Liedkomposition, wurde durch Gedanken über die Unterschiedlichkeit sozialer Bedingungen kontrapunktiert – obwohl wir alle „den gleichen Sternenhimmel“ sehen. Eindrücklich interpretiert wurde dieses Gedicht von der kompletten AG Neue Musik des Leininger Gymnasiums – Kompliment für das Engagement der Schüler für das scheinbar abseitige Thema Neue Musik. Alle anderen Lieder wurden von Musikhochschülern wiedergegeben, von den Sopranistinnen Julia Obert und Giulia Scopelliti, vom Bariton Buyan Li und von den Pianistinnen Annalisa Orlando und Anna Anstett. Allesamt bewegen sie sich sie auf professionellem Niveau, sie hören auf- und musizieren miteinander. Das will auf dem sensiblen Feld der Liedinterpretation etwas heißen. host