Kultur

Eminem - ein Triumph in 96 Minuten

Hannover.16 Uhr, Messe Hannover: Es scheint, als wolle der Wettergott all jene, die sich zum ersten und einzigen Deutschlandkonzert des US-Rap-Legende "Eminem" seit eineinhalb Jahrzehnten in der niedersächsischen Metropole versammeln, einer besonders harten Prüfung unterziehen. Doch auch, wenn der Himmel vor der turmhohen Bühne allen Regen nachzuholen scheint, der in den letzten Wochen ausblieb: Die 80.000 angereisten Fans lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Ohnehin gehören sie schon zu den Auserwählten, die es schafften, sich ein Ticket für das offiziell in acht Minuten ausverkaufte Konzert zu sichern - und entsprechend entschlossen gibt sich die Menge in Ponchos und allerlei improvisiertem Regenschutz auch.

Zumal Petrus dann doch ein Einsehen hat, als mit "Royce da 5'9"" der erste Support des Abends den Reigen eröffnet. Wobei man bei dem Mann aus Detroit nun wirklich von keinem profanen Türöffner sprechen kann. Schon 1997 wurde Royce live von Eminem auf seiner Tour vorgestellt, das bitterböse Rap-Duo "Bad Meets Evil" ist älteren Rap-Fans noch ein bester Begriff, der mit dem Track "Fast Lane" auch an diesem Abend wieder aufleben wird. Und so lässt der 41-Jährige auf der Messe mit feinstem True School-Hip Hop die ersten Hände fliegen, die sich langsam aber sicher auf den Großmeister des Abends vorbereiten.

Insofern ist der Schritt zum deutlich dynamischeren Sound von Def Jam-Mann "2 Chainz" ein ebenso notwendiger wie sinnvoller. Mit seinem Imponiergehabe erinnert der Riese aus College Park zwar an die Allüren eines "Lil Wayne", liefert lyrisch aber in einer ebenso flinken wie bissigen Treffsicherheit wie "Ludacris". Die alten Zeiten, in denen "2 Chainz" noch als "Tity Boi" über die Bühnen proletete, macht er damit zwar noch nicht ganz vergessen, doch es ist der erhoffte Weg zu Ernst und Substanz, der endgültig auf Eminem vorbereitet.

Und tatsächlich gipfelt die Stimmung in einer Art Karthasis, als der 45-Jährige im blauen Trainingsanzug dann endlich auf die Bühne schreitet, um die kommenden 96 Minuten zu seinem epischen Triumph zu machen. Denn auch, wenn der Streichersatz und die fulminante Band allein schon den Eintrittspreis wert gewesen wären, sind sie nur der Rahmen einer musikalischen Schau, die selbst schon Geschichte schreibt. Geschickt reiht der Rap-Star Hymne an Hymne und verschweißt nicht nur das Plädoyer seines eigenen Rangs ("Rap God")  mit Klassikern des eigenen Repertoires wie "Sing For The Moment" und "Toy Soldiers", sondern baut herrlich unangestrengt Brücken zwischen Gestern ("Stan") und Heute ("The Monster"), die einem euphorischen Publikum nur folgende Forderung abtrotzen können: nicht mehr ohne ihre Ikone sein zu müssen ("Without Me"). Ein großer Abend.

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