Kultur

Hintergrund Kolonialdebatte erreicht holländische Museen

Ende eines Zeitalters?

Archivartikel

Zum 350. Todestag Rembrandts hatte das Niederländische Büro für Tourismus es wieder mal ganz groß beworben – das „Goldene Zeitalter“. Gemeint ist die Glanzzeit der Niederlande im 17. Jahrhundert, als das kleine Land weit vor England und Spanien größte Handelsmacht der Welt war und bedeutende Künstler und Wissenschaftler hervorbrachte. Doch am Ende des Jubiläumsjahrs steht dieses positive Selbstbild mehr denn je zur Debatte. Das Amsterdam Museum hat angekündigt, den Begriff „Goldenes Zeitalter“ künftig nicht mehr zu verwenden – schließlich sei die Zeit für die von Niederländern versklavten Afrikaner alles andere als golden gewesen. Gleichzeitig wird über die Umbenennung von Straßen, Museen und Schulen und über den Abbau von Standbildern diskutiert.

„Was für ein Unsinn“

Einige warnen schon vor einem „Bildersturm“ gegen Kulturdenkmäler. „Was ist das für ein Unsinn“, schimpfte etwa der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte über die Streichung des Begriffs. Rechtspopulist Geert Wilders twitterte: „Stolz sein auf die Niederlande ist tabu, wenn es nach diesen gestörten linken Selbsthassern geht.“

Die Gegenseite vertritt ihren Standpunkt teils ebenso kompromisslos. Eine Aktionsgruppe mit dem Namen „Das Graue Zeitalter“ ging 2016 soweit, den Sockel des Denkmals von Jan Pieterszoon Coen in Hoorn am Ijsselmeer mit dem Wort „Genozid“ zu beschmieren. Als Generalgouverneur der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) hatte Coen 1621 die Bevölkerung einer ganzen Inselgruppe getötet oder versklavt, um das Gewürzmonopol der Handelsgesellschaft zu sichern. dpa

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