Kultur

Klassik Sulkhanishvili-Zwillinge beim Schwetzinger Mozartfest

Energische Spielfreude

Archivartikel

Es gab schon einige Schwestern/Zwillinge, die das „Klavierduo“ (pianistisch) aufgemischt haben. Nun also Ani und Nia Sulkhanishvili, die aus Georgien stammen und in München leben, und beim Schwetzinger Mozartfest auf sehr viel positive Resonanz stießen. Denn die Zwillinge spielen aus einem Guss, verfügen über Sensibilität und Temperament, wofür ihnen beachtliches manuelles Rüstzeug zur Verfügung steht.

Im Jagdsaal war vierhändiges Repertoire angesagt, etwa Mozarts D-Dur-Sonate (KV 381), deren Ecksätze sie geradezu übermütig auslebten und auch im Andante hatten sie es eilig, so dass sie mindestens Andantino Mozarts zauberhaften Klaviergarten durchschritten. Mit Mozart gelang ihnen der glückhafte Einstieg in die Matinee, denn dessen „Fünf Variationen über ein Andante“ (KV 501) perlte heiter und entspannt im hell glitzernden Diskant als Wohlfühlatmosphäre, in der eine Moll-Variation allenfalls ein überschminkter Querverweis auf Kummer darstellen könnte.

Tiefgründige Schubert-Darbietung

Beethoven im Beethoven-Jahr, ein Muss. Die acht Variationen über ein Thema seines Gönners Graf Waldstein sind mehr als nur ein Herantasten ans Genre, und für die beiden Pianistinnen die Gelegenheit, eine feine Balance zwischen Temperament und Nachdenklichkeit zu präsentieren. Viel Herzblut investierten sie in Dvorák-Tänze, biegsam im Ausdruck und voller Elan im klanglichen Feuerwerk.

Sicherlich am tiefgründigsten aber glückte die Wiedergabe der Fantasie in f-Moll von Schubert, der sie sensiblen Zugang schenkten, wenn sie die Modulationen weich und poetisch ausgestalteten, die Gewichtsverlagerungen fein modellierten und die Emotionen bis zum fast orchestral gesteigerten Zugriff am Ende auskosteten. Ein großartiges Werk, das der inneren Zuwendung bedarf und von Ani/Nia auch bekam. Viel Beifall für die Schwestern, die mit einer Bach-Bearbeitung „Gottes Zeit“ dankten. 

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