Kultur

Pop Heino singt vor 800 Besuchern im Mannheimer MS Connexion Complex / Schlagerstar adaptiert harte Nummern scheinbar mühelos

Er sagt zum Abschied rockig „Tschüss“

Archivartikel

Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre es schwergefallen, sich den Schlagerstar und Volksmusikanten Heino in schwarzes Leder gehüllt im Konzertambiente einer ehemaligen Industriehalle vorzustellen – wie es hier, bei seinem Auftritt im Mannheimer MS Connexion Complex der Fall ist. Dann aber kam 2013 Heinos Album „Mit freundlichen Grüßen“ mit Rock- und Pop-Coverversionen auf den Markt. Seitdem ist seine Welt nicht nur die schöner Berge und Täler und Wälder. Sondern er durchstreift auch die rauen, von Fallwinden durchtosten Schluchten, in den hartgekochte Bands wie Rammstein und Oomph! operieren.

Das Album blieb nicht ohne Kontroversen und Auseinandersetzungen mit einigen der gecoverten Künstler. Aber fest steht, dass Heino dadurch nicht nur jede Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen, sondern sich auch neue Hörer- und Konzertbesucher-Schichten erschlossen hat. Das bildet sich auch in der Kolbenhalle des MS Connexion Complex ab: Die rund 800 Besucher sind bunt gemischt, man sieht ergraute und sehr junge Fans.

Mit über 80 auf der Bühne

Heino ist im vergangenen Dezember 80 geworden, knapp drei Wochen nachdem er „… und Tschüss – Das letzte Album“ veröffentlicht hatte. Mit dem Langspieler, für den er neben einigen neuen Stücken auch wieder allerlei Coverstücke eingesungen hat, und der begleitenden Tournee will er sich von den großen Bühnen verabschieden.

Auf „… und Tschüss“ findet sich auch das Tote-Hosen-Stück „Tage wie diese“, mit dem Heino und seine elf Musiker (darunter vier Bläser und drei Chorsänger) nach einem vollmundig-launigen „Also sprach Zarathustra“-Intro das Konzert eröffnen. „Teure Heimat“ und „Hohe Tannen“ gehören hiernach zu den Liedern aus seinem eigenen Fundus, die stilistisch weitgehend unangetastet bleiben, während andere mal eine Rock-Kurpackung aufs Schlager-Haupt bekommen, mal mit Funk- und Swing-Wirbeln neu aufgesetzt werden.

Dazwischen gibt es eine ziemlich gelungene Adaption von „Junge“ von Die Ärzte, Grönemeyers „Was soll das“ oder „Augen auf!“ von Oomph!. Als programmatische Neuzugänge sind unter anderem „Das Model“ von Kraftwerk und „Über sieben Brücken musst du geh’n“ mit dabei.

Für zwei Stücke überlässt Heino, der bürgerlich Heinz Georg Kramm heißt, seinem Enkel Sebastian die Bühne, der mit „Der Junge mit der Gitarre“ ein Lied über sich und seinen Großvater singt und sich obendrein Leonard Cohens „Hallelujah“ widmet. Seine eigenen Klassiker, von „Rosamunde“, „Schwarzbraun ist die Haselnuß“, und „Karneval in Rio“ bis „Die Schwarze Barbara“ und „Blau blüht der Enzian“, präsentiert Heino teils vollumfänglich, teils in Medleyform – wofür er von der schwarzen Leder-Joppe in sein rotes Jackett wechselt. Diese gut 100 Konzertminuten sind nicht ohne Unterhaltungswert geblieben.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur

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