Kultur

Stimmen Von Kammersänger Thomas Jesatko über Oberbürgermeister Peter Kurz bis hin zu Opernintendant Albrecht Puhlmann herrscht tiefe Trauer um Mazura

„Er war als Künstler und Mensch ein Wahnsinnstyp“

Archivartikel

Der Tod von Franz Mazura hat in der Region und auch außerhalb tiefe Bestürzung ausgelöst – das sagen Wegbegleiter über den Tod des Titanen.

Peter Kurz (Oberbürgermeister von Mannheim): Franz Mazura beeindruckte mich als herausragender Künstler mit seiner fesselnden Persönlichkeit nicht nur auf der Bühne. Er war ein stets optimistischer, hellwacher und humorvoller Gesprächspartner. Er wird in Erinnerung bleiben als international gefeierter Bühnendarsteller, der nicht nur für das Nationaltheater Mannheim, sondern für die Oper insgesamt Marksteine gesetzt hat. Seine darstellerische Qualität wie seine Offenheit und Neugier ermöglichten ihm eine einmalige Karriere als bis ins hohe Alter gefragter Sänger und Darsteller. Wir alle, das Publikum und die Stadt Mannheim, werden ihn sehr vermissen.

Thomas Jesatko (Kammersänger am Nationaltheater): Vor etwa drei Wochen hab‘ ich ihn zuletzt gesehen, da war er wie immer: blitzwach, voller Pläne, und er sagte, die Ärzte hätten ihm gesagt, er könnte bei seinem Gesundheitszustand locker 100 Jahre alt werden … Er war ein ganz großartiges, unerreichbares Vorbild, ein ganz lieber, immer zugewandter und positiv denkender Kollege, und ich bin sehr froh, mit ihm zusammen auf der Bühne gestanden zu haben – etwa in Zimmermanns „Ecclesiastischer Aktion“ 2007 und 2017 in Mannheim, das war eindrücklich und grandios. Sein schönster Geburtstag, hat er mir erzählt, war sein 95.: Er hat nach einer „Meistersinger“-Vorstellung (er nach einem Knochenbruch im Rollstuhl auf der Bühne) mit Barenboim und Kollegen in Berlin bis morgens um 3 Uhr gefeiert.

Albrecht Puhlmann (Opernintendant Nationaltheater): Wir sind tief traurig. Ein wunderbarer Mensch und großer Künstler ist von uns gegangen. Er war einer der wirklich großen und bedeutenden Sänger des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus ein immer offener und neugieriger Mensch, seinen Mitmenschen zugewandt. Nicht nur den Wagner-Gesang selbst hat er über Jahrzehnte entscheidend geprägt. Er hat wahrlich Operngeschichte geschrieben: mit der Darstellung des Moses in Schönbergs „Moses und Aaron“ zwischen Mannheim, Wien und Mailand oder mit dem Doktor Schön in Alban Bergs „Lulu“ in Paris unter Pierre Boulez und in der Regie von Patrice Chéreau. Wir vermissen Franz Mazura sehr. Wir durften noch Lesungen mit ihm machen, unvergesslich hat er am 23. März 2019 den „Hauptmann Gustl“ Arthur Schnitzlers anlässlich seines eigenen 95. Geburtstags gestaltet, begleitet von einer Ausstellung seiner Karikaturen, die den ganzen Mazura in seiner umfassenden Gescheitheit, seinem Schalk und seiner Menschenliebe zeigten. Sein blitzender Geist bei Podiumsdiskussionen, seine Besuche bei uns, sie haben uns immer bereichert. Auch für mich bedeutet sein Tod einen großen Verlust. Er war so etwas wie der gute Geist des Hauses. Er wird unvergesslich bleiben.

Wolfgang Neumann (Ehemaliger Heldentenor am NTM): Ich stand oft mit ihm bei Wagner oder in Schönbergs „Moses und Aron“ weltweit auf der Bühne. Mich faszinierte an Mazura neben seiner unglaublich zupackenden Art des Spiels und der außergewöhnlichen Charakterstimme mit ganz eigener, herausragender Diktion menschlich besonders seine positive Lebenseinstellung, die freudige Spannung, wenn man ihm begegnete und sein stetes Nach-vorne-Denken. Er war als Künstler und Mensch ein Wahnsinnstyp, der fehlen wird: Es war eine Freude, ihn kennengelernt zu haben! rcl/dms

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