Kultur

Konzert „Scorpions“ ließen es auf ihrer Station in Bad Kissingen noch einmal so richtig krachen

Erdiger Rock ist immer noch die beste Kur

Archivartikel

Eine lauschige Sommernacht, die eigentlich noch viel zu heiß für das Etikett „lauschig“ war, im umso beschaulicheren Bad Kissinger Kurpark trifft auf die „Scorpions“ – eine hervorragende Mischung, die da am Freitag in der unterfränkischen Kurstadt zusammenkam.

Richtig Gas gegeben

Auch wenn man witzeln könnte, das der eben 70 Jahre alt gewordene Sänger Klaus Meine und der nur wenige Wochen jüngere Rudolf Schenker als die einzig beiden Ur-Mitglieder der Hardrocker den Altersdurchschnitt der Kurgäste wohl kaum angehoben haben – die Herren lieferten vor rund 6000 Besuchern eine Show, von der sich manch jüngere Combo eine gehörige Scheibe abschneiden könnte.

Gleich zu Beginn gaben die „Scorpions“ richtig Gas – Meine, Schenker und Top-Gitarrist Matthias Jabs enterten den Steg, solierten und posierten um die Wette und fanden schnell einen persönlichen Ton zum Publikum. Dort hatte sich mit Jürgen „Doobie“ Fechter einer der ersten Schlagzeuger der Band eingefunden, der zwar nicht auf die Bühne kam, aber herzlich begrüßt wurde.

Die Hannoveraner setzten auf ihrer aktuellen „Crazy World“-Tour, die nun rund zehn Jahre nach Ankündigung ihres Abschieds von den Bühnen dieser Welt die Band immer noch vors Publikum zieht, auf ein Greatest-Hits-Programm. Das fiel mit einer Spielzeit von knapp zwei Stunden verhältnismäßig knapp aus.

Man mag es den „Scorpions“ aber nachsehen, machte doch gerade Klaus Meine in der ersten Hälfte des Konzerts den Eindruck, etwas wackelig auf den Beinen zu sein und am Mikro nicht immer 100 Prozent zu geben.

Abheben in die Luft

Das änderte sich schlagartig nach dem Drum-Solo des erst vor wenigen Monaten zur Band dazu gestoßenen Mikkey Dee. Der ehemalige Motörhead-Schlagzeuger ließ eine Einlage vom Stapel, die direkt in die 70er-Jahre zurück versetzte, als solche Nummern noch zum Grundkonzept eines Rock-Konzerts gehörten – inklusive Abheben in die Luft. Dees ehemaliger Band huldigte Deutschlands erfolgreichster Rock-Export dann auch mit dem Song „Overkill“, bei dem der verstorbene Kult-Rocker Lemmy auf der Leinwand erschien.

Lemmy auf der Leinwand

Nach Mikkey Dees Solo kamen die „Scorpions“ wieder mit „Blackout“ auf die Bühne, und Klaus Meine schien wie ausgewechselt.

Es folgten noch einmal die ganz großen Scorpions-Hits, vorwiegend vom 84-Album „Love at first sting“: „Big City Nights“, „Still loving you“, „Rock you like a hurricane“ – genau das wollten die begeisterten Fans hören, da ging es dann auch richtig zur Sache. ele