Kultur

Pop Rapper Capital Bra bei Tourstart in Mannheim gefeiert

Erfolgreicher als Abba und die Beatles

Es ist ein historischer Moment, ein Stück deutscher Musikgeschichte – daran will der Hallensprecher gar keinen Zweifel aufkommen lassen. Mehr Nummer-eins-Hits (nämlich 12) als die Legenden Abba (9) und Beatles (11) habe der Künstler bundesweit eingesammelt, heißt es vor dem Konzert von Deutschlands derzeit wohl erfolgreichstem Rapmusiker in Mannheim. Dann kommt Vladislav Balovatsky alias Capital Bra auf die Bühne und bringt – bei zwei ausverkauften Auftritten im Maimarktclub – insgesamt fast 5000 Jugendliche zum Singen und Tanzen.

Für Capital Bra ist Mannheim die erste Station seiner Tournee. Textsicher singen die Besucher Zeile für Zeile mit, ziehen die Endvokale wie der Sänger auf der Bühne: „Weit und breit keine Gegnaaaa, komm wir wechseln das Themaaaa, ich will 22-Zoll-Rädaaaa, und die Sitze aus Ledaaaa.“ Die Songs ähneln einander, es geht um Aufsteigerträume und dosierte Kritik am Staat sowie um Mädchen, Mode, Maschinen. In rund 80 Minuten spielt Capital Bra seine Hits, darunter „Cherry Lady“ und „Neymar“.

Ruhelos tanzt Capital Bra, musikalisch unterstützt von einem DJ, auf der Bühne hin und her – im Dresscode einer Straßengang: lässige Kleidung und Baseballkappe. Auf seine Frage „Was geht ab, Bratans und Bratinas?“, wie der Musiker seine Fans nennt, folgen „Capi Capi“-Sprechchöre. Es ist für die meisten der jungen Besucher eine ausgelassene Feier – und draußen wartet der Vater im Auto.

Der in Sibirien geborene und in der Ukraine aufgewachsene Capital Bra steht für viele Fans stellvertretend für den einst provokanten Straßenrap. Dieser hat inzwischen längst den Weg aus prekären Plattenbauten in gut situierte Vorstadtvillen gefunden. dpa

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