Kultur

Jazz The Organizers und die RhineStream JazzBand huldigen ihrem verstorbenen Saxofonisten Jochen Brauer

Erinnerung in Töne verwandelt

Vielleicht ist das die schönste Weise, einem Musiker die letzte Ehre zu erweisen: mit einem Konzertabend, der ohne Schwermut daherkommt, sondern den Verstorbenen vielmehr in zutiefst lebensvoller Erinnerung hält – und dabei eine Fülle fabelhafter Musik bietet. Insgesamt sind es 20 Freunde und Weggefährten, die auf die Bühne des Mannheimer Jazzclubs Ella & Louis treten, um Jochen Brauer zu gedenken, der im Oktober 2018 in seiner Wahlheimat Mannheim verstorben war.

Der 1929 in Görlitz geborene Saxofonist, Arrangeur und Bandleader war als Künstler international erfolgreich. Er hatte die Unterhaltungsmusik im Deutschland der 60er und 70er Jahre entscheidend mitgeprägt und zählte mit seinem Jochen Brauer Sextett lange Zeit zu den führenden Formationen des Landes. Doch er kam vom Jazz – und kehrte auch dorthin zurück: „Wir huldigen heute einem ganz Großen der Mannheimer Jazzszene“, sagt Ella-&-Louis-Kurator Thomas Siffling, als er die Gäste in seinem restlos ausverkauften Club begrüßt. Und Christian Lassen, Gitarrist der anlässlich der „Remember Jochen Brauer“-Hommage noch einmal zusammengekommenen Band The Organizers, erinnert sich an den Herbst 1994.

Glänzend arrangierte Nummern

Damals habe er mit Organist Thomas Wind und Schlagzeuger Reinhold „Ringo“ Hirth im Trio gespielt und im Mannheimer Lokal „Sonnenschein bei Rica“ gejammt, als jemand meinte: „Da müsste man den Jochen mal dazu einladen. Gesagt getan, Jochen kam, wir haben gespielt, und es hat sofort Klick gemacht“, so Lassen. Im Frühjahr darauf war das Quartett die Eröffnungsband der Jazztage in der Alten Feuerwache Mannheim, anschließend nahmen Jochen Brauer & The Organizers die CD „Easy and Greasy“ auf.

„Und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, sagt Lassen. Von diesem Album präsentieren er, Wind und Hirth – kongenial unterstützt von den Saxofonisten Matthias „Mattl“ Dörsam und Olaf Schönborn – glänzend arrangierte und interpretierte Nummern wie Ted Grouyas „Flamingo“ und Charles Mingus’ „Better Get Hit In Your Soul“; ebenso bringen sie Stücke wie Stanley Turrentines „Sugar“ oder die Jazzstandard-Ballade „Everything Happens To Me“ in so seelenvoller und geschmeidig leichtfüßiger wie differenziert vielschichtiger Versiertheit zu Gehör.

Die zweite Band, die zu Ehren Jochen Brauers auftritt und dabei seine Arrangements strahlen lässt, „war seine letzte musikalische große Heimat“, sagt Thomas Siffling: Über 300 Auftritte habe er mit der RhineStream JazzBand seit 1998 gespielt, erzählt Saxofonist Freddie Münster. Und es war auch diese Jazz-Gruppe, mit der Brauer 2014 zum letzten Mal überhaupt auf einer Konzertbühne stand.

Zusammen mit Jochen Brauers Ehefrau Gabi – die an diesem Abend auch anwesend ist – sei eine kleine Liste mit Musikern erstellt worden, mit denen der Künstler in den letzten 20 Jahren seit seiner The-Organizers-Zeit gespielt habe, berichtet Münster. Auf Basis dieser Liste sind es nun insgesamt 18 Musiker, die in wirbelnden Wechseln den rund 90-minütigen Abend im Ella & Louis bestreiten: Silvia Brown singt, an den Blasinstrumenten operieren neben Münster auch Paul Held, Edmund Seiboth, Aart Gisolf und Rolf Muffler sowie Dörsam und Schönborn; am Piano Armin Schaefer, Ron Bowater und Udo Sailer.

Ansteckende Energie

Den Bass spielen Jochen Scheuermann, Bully Hübner und Thomas Fritz, am Schlagzeug sind Bandgründer Manfred Magin, Walter Helbig (der zuvor auch bei The Organizers mitgewirkt hat) und Eugen Fallmann zu hören. Außerdem greift Christian Lassen wiederum auch hier in die Saiten. Mit Klassikern wie „The Lady Is A Tramp“, „Girl Talk“, „Sunny“, „Black Coffee“, „Strike Up The Band“ oder „Route 66“ bietet die erweiterte RhineStream JazzBand zwischen tiefenentspannter Grandezza und stiebenden Grooves mithin ein glänzendes Programm, in dem die Musiker die Erinnerung an Jochen Brauer mit spielerischer Bravour und ansteckender Energie in Töne verwandeln.

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