Kultur

Klassik Hanna Lucia Schwalbe erfreut Gäste bei Klavierwoche

Erstaunliches Talent

Archivartikel

Wer die Augen zumachte und „nur“ hörte, hatte den Eindruck eines ausgereiften Klavierspiels von einer Persönlichkeit, die sich ihrer Sache sicher ist. Die Stilempfinden mit selbstverständlicher Technik verbindet und interpretatorisch die Stücke ihres Konzertabends ausschöpft, die von Beethoven, Schumann und Liszt stammen.

Wer die Augen aufmacht, sieht im Deutsch-Amerikanischen Institut während der Heidelberger Klavierwoche eine junge Frau (Jahrgang 2001) aus Hamburg, die gerade ins Vollstudium an der Kaderschmiede Hannover aufgenommen wurde. In sich ruhend, souverän, mit großartigem Zugriff. Der Hörer darf schnell seine Verwunderung in Bewunderung ummünzen, so voll musikalischem Geschmack und einer Mischung aus Verve und Empfindung spielt Frau Schwalbe die Symphonischen Etüden von Robert Schumann: Als Schlüsselwerk, in dem Schumann seinen seelischen Kosmos offenbarte und mit virtuoser Kraft und elegantem Glanz aufpolierte, während die Pianistin mit Stolz, Feuer und sehr persönlicher Empfindung argumentiert.

Delikat attackierendes Spiel

Nicht minder gerecht wird Hanna Lucia Schwalbe der h-Moll-Sonate von Franz Liszt, jenem Großwerk, das manches Ahnen der Zeitenwende vorwegzunehmen scheint. Delikatesse und Attacke treiben ihr Spiel an, die komplexen Spielvorschriften des Komponisten werden genau befolgt, um daraus inhaltliche Freiheitsgrade zu erringen. Die Farbwerte stimmen – wie die Stimmungswechsel. Und das ausdifferenzierte Stück wirkt wie aus einem Guss.

Begonnen hatte Hanna Lucia Schwalbe mit der Klaviersonate D-Dur (op. 18) von Ludwig van Beethoven, in der sie schon Beethovens Widerspruchsgeist aufspürt, der Konventionen sprengen will. Die Sonate steht ein wenig im Schatten ihrer populären Geschwister. Warum nur, nach diesem Plädoyer? Beendet hat die Klavierspielerin den Abend mit dem Intermezzo B-Dur aus op. 117 von Johannes Brahms als Zugabe. Ruhig, abgeklärt, wunderschön.