Kultur

Musiktheater „Parsifal“ als festlicher Opernabend am NTM

Erwartungen eingelöst

Dass die Parsifal-Inszenierung des Nationaltheaters, die in diesem Jahr zum 61. Mal zur Aufführung kommt, Kultstatus genießt, ist unbestritten. Umso größer ist die Herausforderung, den Ansprüchen des Mannheimer Publikums gerecht zu werden. Nach der erfolgreichen Karfreitags-Aufführung am 30. März wurde für Samstag im Rahmen der Reihe Festliche Opernabende eine besondere Besetzung mit Spannung erwartet: René Pape in der Rolle des Gurnemanz und Angela Denoke (wie auch am Karfreitag) als Kundry.

Die gewaltige Partie des Gralsritters Gurnemanz scheint Pape geradezu auf den Leib geschneidert. Wohltuend legt sich sein voller, resonanzstarker Bass ins Ohr, so natürlich wie das Sprechen selbst und mit hervorragender Textverständlichkeit gelingen die langen narrativen Passagen. Die darstellerischen Leistungen kommen umso mehr zum Tragen als die reduzierte Inszenierung nach Hans Schüler alle überflüssigen Wege auslässt: Ergreifend die Verzweiflung und der Schmerz, die Pape im dritten Akt sowohl musikalisch als auch in seiner Körpersprache ausdrückt, voll Zuversicht seine Gestik im Moment der Taufe Parsifals.

Farbenreiche Kundry

Angela Denoke präsentiert eine ausgesprochen farben- und abwechslungsreiche Kundry. Eindrückliches, gut verständliches Parlando und Wehklagen einer Gebrochenen, ewig Schuldigen sind ebenso authentisch wie das Aufblühen der Höllenrose im zweiten Akt. Ihre Höhen sind glasklar, ohne schrill zu werden, die Verführungsszene birgt, aller flammenden Erotik zum Trotz, auch die Verzweiflung einer Verdammten, die nach Erlösung lechzt. Denoke selbst zeigt sich beinahe überwältigt vom tosenden Applaus am Ende des zweiten Akts.

Auch das gesamte Ensemble kann erneut überzeugen: Frank van Akens heldenhafter Parsifal, Joachim Goltz’ teuflisch-dämonischer Klingsor und Thomas Beraus großartig leidender Amfortas lassen ebenso wenig Wünsche offen wie die klaren, differenzierten Klänge des Nationaltheater-Orchesters unter der Leitung von Alexander Soddy. Einmal mehr ein gelungener Wagnerabend am NTM, den das Publikum dann auch mit stürmischem Applaus honoriert.