Kultur

Das Porträt Katja Hess hält in ihren Bildern besondere Momente fest / Schau in Heidelberg

"Es ist doch so spannend, Leute zu beobachten!"

Betritt man die Wohnung von Katja Hess in Heidelberg, ist man unmittelbar von Bildern umgeben. An den Wänden hängen Fotografien ihres Mannes, die sich mit alten Stichen von verfallenen Ruinen und weiten Landschaften abwechseln. Und man sieht - natürlich - die Gemälde der Künstlerin selbst.

Die gebürtige Aschaffenburgerin Hess ist, so könnte man sagen, eine Spätberufene. Denn nach einem Studium der Anglistik und Germanistik unterrichtete sie erst einmal als Deutsch- und Englischlehrerin in Heidelberg. Zur Kunst trieb sie eigentlich ein biografischer Zufall: Als sie mit ihrem Mann für einige Jahre in die Niederlande nach Utrecht zog, ließen sich die dortigen Behörden mit der Anerkennung ihres Examens Zeit. "Einfach herumsitzen", lacht Hess, "war da keine Option." So belegte sie Zeichenkurse an der Art School Ewijkshoeve.

Die Faszination für Pinsel und Zeichenstift waren geweckt - und führten sie nach zwischenzeitlicher Rückkehr ins Lehrerdasein einige Jahre später an die Art Students League in New York, wo sie zwei Jahre lang studierte. Die dort praktizierte Pop-Art steckte sie an. Und auch der betont pragmatische Zugang gefiel ihr: "Bei der Art Students League bekam man noch ganz klassisch Zeichnen und die handwerklichen Grundlagen des Malens beigebracht", erzählt sie. Edward Hopper und David Hockney seien ihre großen Vorbilder. Aber auch die Maler Tom Wesselmann und Roy Lichtenstein prägen Hess' mittlerweile knapp 20-jähriges Schaffen: Ihre Landschaften, Stillleben und Porträts sind bunt und kontrastreich. Dabei hat sie sich stets gegen zu viel Abstraktion gewehrt. "Viele Künstler malen den Weltraum, beschäftigen sich mit dem Sinn des Lebens oder Ähnlichem", meint Hess. "Dabei ist es doch schon so spannend, die Leute auf der Straße zu beobachten!"

Schnappschüsse inspirieren

"In New York", erzählt Hess begeistert, "saßen wir stundenlang im Café und im Museum und haben nur die Personen betrachtet, die an uns vorbeizogen. Aus den Schnappschüssen meines Mannes habe ich dann die Inspiration für meine Porträts gezogen." Das Ergebnis ist ein ganz persönliches: Denn steht man mit Katja Hess vor ihren Protagonisten, kann sie zu jedem eine Geschichte erzählen. "Menschen verraten sich über ihre Gewohnheiten, durch ihre Kleidung, ihre Bewegungen", ist sie sich sicher.

Auch mit dem Spezialfall Museum setzen sich einige Bilder der Ausstellung "Halbgötter und Mitmenschen" intensiv auseinander. "Ich wollte einzelne Momente einfangen, in denen es besonders geknistert hat, in denen eine ganz besondere Spannung zwischen Menschen und den Bildern vor ihnen entstand", erzählt Hess.

Mit den zitierten Kunstwerken von Wesselmann, Lichtenstein oder Alex Katz gehe sie auch ein Stück weit auf ihre Wurzeln in der Pop-Art zurück. Von einer "realistischen" Darstellung hat sich die Heidelberger Künstlerin dafür jedoch teilweise entfernt: Auf einigen Werken ersetzen klassisch griechische Götterstatuen den ordinären Museumsbesucher.

Wie viele Bilder sie in ihrem Leben gemalt hat? "Das kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen", meint Hess. Lust aufzuhören habe sie jedenfalls nicht im Geringsten: "Auch wenn meine Malerei immer besser wird - es ist noch lange nicht so, wie ich es mir in meinem Kopf vorstelle."