Kultur

Nachruf Der schottische Schauspieler Sir Sean Connery ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

„Es war das, was er wollte“

Archivartikel

Es ist überliefert, dass Ian Fleming Zweifel an Sean Connery anmeldete. Zu ungehobelt, zu muskelbepackt, zu „unfein“ sei der Kandidat für die Verkörperung seines elitären Geheimagenten, kritisierte der Schriftsteller. Connery bekam die Rolle des James Bond trotzdem. Mehr noch: Der Schauspieler begründete damit ein eigenes Genre und definierte erst den Stil des Frauenhelden, Agenten, Weltretters und Killers in Personalunion. Nun ist Sir Thomas Sean Connery im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas gestorben.

Es ist schwer vorstellbar, dass die 007-Abenteuer weltweit solche Erfolge gefeiert hätten ohne den Schotten, der dem Helden erst diesen typisch brutalen Charme verlieh. In Zeiten des Kalten Kriegs wurde Bond in seinen maßgeschneiderten Anzügen, den schnellen Luxusautos und dem „geschüttelt, nicht gerührt“-Martini in der Hand zum Posterboy des Kapitalismus. Dabei war Connerys Bond ohne Zweifel der gnadenloseste, der männlichste und sexuell bedrohlichste 007.

Zahlreiche Film-Affären

Er küsste seine zahlreichen Affären nicht nur, er riss die Frauen geradezu an sich. Wenn er die Bösewichte tötete, schob er gerne einen lockeren Spruch hinterher. Grob, witzig, lässig – die Kunstfigur blieb bis heute so. Während Connery in Vorbereitung zum ersten Film „James Bond jagt Dr. No“ zwar lernen musste, wie die britische Oberschicht ging, sprach und trank und welche Gabel für welchen Gang gewählt wird, kam das Raue für ihn selbstverständlich, er verdankte es seiner Herkunft. 1930 als Sohn eines Fernfahrers und einer Putzfrau in Fountainbridge, einer Arbeitervorstadt von Edinburgh, geboren, schmiss er bereits mit 13 Jahren die Schule, arbeitete als Maurer und Zementmixer, Lkw-Fahrer und Sargpolierer, machte Bodybuilding. Zuvor war er für ein Intermezzo in die Royal Navy eingetreten.

Aus jener Zeit stammte das Tattoo „Scotland Forever“, das auf dem Arm des stolzen Schotten mit der tiefen Stimme prangte. Zeit seines Lebens lehnte es der Patriot ab, seinen Akzent abzulegen. Über Umwege kam Connery zum Schauspiel, übernahm kleinere Rollen, bis Talentsucher ihn für den Bond-Film „Dr. No“ fanden. Der machte ihn 1962 berühmt. Es folgten 1963 „Liebesgrüße aus Moskau“ und „Goldfinger“ 1964, einer der erfolgreichsten Filme der Geschichte. Nach „Feuerball“ (1965) und „Man lebt nur zweimal“ (1967) wollte Connery dem MI6 den Rücken kehren, doch 1970 ließ er sich überreden, für „Diamantenfieber“ auf Schurkenjagd zu gehen.

Mit der Gage für diesen Film gründete er eine Stiftung, um schottische Jugendliche während der Ausbildung finanziell zu unterstützen. Und auch wenn er betont hatte, niemals wieder Bond, kehrte er ein letztes Mal für „Sag niemals nie“ zurück. Mit Toupet. Connery kümmerten solche Äußerlichkeiten nicht, auch wenn nur er es schaffte, im Alter von 59 Jahren vom People Magazine zum „Sexiest Man Alive“ erklärt zu werden. Er blieb selbst nach seinen Erfolgen bodenständig. Der Job des Schauspielers sei nichts Besonderes, so der Schotte, sondern „ein Beruf wie der eines Maurers“. Das sahen andere anders. Ein Kritiker befand einmal: „Im Grunde gibt es Connery, und es gibt den Rest.“

Für Sean Connery hätte der Bond-Erfolg leicht zum Fluch werden können. Er schaffte es jedoch, auch für seine späteren Rollen gefeiert zu werden. Spielte er zunächst noch vor allem den Helden, etwa Robin Hood in „Robin and Marian“, oder bewies seine Wandlungsfähigkeit in Filmen wie „Highlander“ oder „Jagd auf roter Oktober“, verkörperte er mit zunehmendem Alter öfter den Lehrmeister oder weisen Mentor. Viel Lob gab es 1986 für ihn als William von Baskerville in der Verfilmung von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. In „Der letzte Kreuzzug“ spielte er den Vater von Indiana Jones. Seinen einzigen Oscar erhielt Connery mit beinahe 60 Jahren für eine Nebenrolle als Straßenpolizist im Gangsterthriller „Die Unbestechlichen“. Im Jahr 2000 wurde er von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben und durfte sich seither Sir Sean nennen.

Seiner ersten Ehe mit der australischen Schauspielerin Diane Cilento entstammt sein Sohn Jason. Seit 1975 war Connery mit der marokkanisch-französischen Malerin Micheline Roquebrune verheiratet. Die erzählte britischen Medien nun von den letzten Monaten ihres Mannes, der an Demenz erkrankt war. „Es war kein Leben für ihn. Er konnte sich zuletzt nicht mehr ausdrücken“, so Roquebrune. In der Nacht auf Samstag dann verstarb Connery im Schlaf. „Ich war die ganze Zeit bei ihm und er ist einfach weggeglitten. Es war das, was er wollte.“

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur

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